Deutschlands schönste Seiten
Albrechtsburg Meißen: Schloss des weißen Goldes
© danielbahrmann / Fotolia.com
Die Albrechtsburg thront stolz über der Stadt Meißen.
  • Albrechtsburg Meißen: Schloss des weißen Goldes

    In sanften Biegungen fließt die Elbe aus Dresden kommend durch Meißen. Sie trennt die gründerzeitlichen Straßen-Quadrate am rechten Ufer von den verschlungenen Altstadt-Gassen am linken, über denen sich ein wuchtiger Fels erhebt: der Burgberg. Dessen verhältnismäßig kleines Hochplateau teilen sich der Dom mit Bischofs-Schloss und die Albrechtsburg. Von hier aus regierten die Wettiner, die seit 1089 mit der Markgrafschaft Meißen belehnt waren. Ihre heutige Gestalt bekam die Burg allerdings erst 400 Jahre später in der Spätgotik. Dabei wurde aus der Albrechtsburg Deutschlands erstes Schloss.

    Wer auf den Burgberg will, braucht Puste

    Es sei denn, er nimmt den Lift oder den Bus. Das Treppauf beginnt schon in der Altstadt. Über eine schmale Brücke und das Tor-Häuschen gelangt der Besucher schließlich auf einen mit großen Steinen gepflasterten Platz. Nur ab und zu unterbrechen das Läuten der Dom-Glocken oder das Hufgetrappel der Pferde, die einen Kremser ziehen, die Stille dieses Ortes. Der Dom aus dunklem Stein beansprucht die Mitte des Areals. Rechts vom großen Gotteshaus haben sich unter anderem die Häuser der Domherren Wand an Wand auf die Felskante gehockt, mit Gärtchen und Blick hinab zur Stadt.

    Heute nutzen vor allem Wirte diese Gemäuer

    Die Lage am Hang zwingt die Kellner zwar zur Kraxelei, schenkt den Gästen jedoch den Blick auf ein weites Elbtal-Panorama. In der Speisekarte des Domkellers ist dessen Gründung anno 1470 vermerkt. Es ist also anzunehmen, dass hier schon der Dombauer Arnold von Westfalen und seine Gesellen zechten.

    Blick auf die Albrechtsburg wie vor 500 Jahren

    Die andere Hälfte des Burgbergs mit dem Schloss darauf ist die weltliche. Und eigentlich entpuppte sich das Bauprojekt der Albrechtsburg schon mit der Fertig-Stellung als eine Fehl-Investition. Kurfürst Ernst und Herzog Albrecht hatten sich verstritten und zogen 1485 getrennter Wege. Ein Albrecht hat hier also nie residiert. Von da an war der Prachtbau mehr als 200 Jahre lang unbewohnt, sieht man von der gelegentlichen Beherbergung durchreisender Adliger oder der Nutzung als Witwen-Sitz ab. Das herausragende Stück Architektur versank mangels Hausherren in der Bedeutungs-Losigkeit. Daher ließ auch niemand Renaissance-Giebel mauern oder Barock-Skulpturen aufstellen.

    Die Gotik döste unangetastet vor sich hin

    Das macht die Albrechtsburg so besonders. Denn gotische Kirchen gibt es viele, Profan-Bauten dagegen nur noch sehr wenige. „Sie erleben den Blick auf das Schloss wie am Ende des 15. Jahrhunderts“, verspricht Jan Albertus. Der Schloss-Führer hat seine Gäste nach dem mittäglichen Orgel-Konzert vor der Seiten-Pforte des Doms in Empfang genommen. Nun schauen alle an der hohen hellgrauen Schloss-Fassade empor, die vom Dom und von den Neben-Gebäuden regelrecht bedrängt wird. Um nicht übersehen zu werden, schmückt sie sich mit einem sechseckigen Treppenturm und mit großen, filigran verzierten Fenstern. „Weil die steinernen Simse aussehen, als habe jemand Stoff-Bahnen zur Seite gerafft, heißen sie Vorhang-Bogenfenster“, erklärt Albertus.

    Albrechtsburg - Sitz der Porzellan-Manufaktur, sicher vor Spionen

    Als Kurfürst August der Starke sich eines Tages der Albrechtsburg zuwandte, ging es ihm aber nicht um deren Schönheit. Er musste einen hochkarätigen Staats-Betrieb unterbringen: seine Porzellan-Manufaktur. Auf der gut abzuschirmenden Anlage schien das technologische Geheimnis sicher vor Spionen. In Augusts Besitz gelangte es durch den Apotheker und Alchemisten Johann Friedrich Böttger. Der hatte sich gebrüstet, Gold erzeugen zu können, was den Sachsen-Herrscher so sehr interessierte, dass er den jungen Mann fortan unter seiner strengen Kontrolle arbeiten ließ. Böttger und sein Experten-Team experimentierten hochkonzentriert – erzeugten aber kein Gold, sondern zunächst rotes Porzellan. Am 23. Januar 1710 konnte die Hofkanzlei in Dresden schließlich die Erfindung des weißen Porzellans verkünden. Dann verschwand die Manufaktur in der Meißner Albrechtsburg.

    Das gotische Schloss ächzte unter der Degradierung zum Fabrik-Gebäude

    Wände und Decken wurden durchbrochen, neue Trennwände gemauert, die feingliedrige Wendel-Treppe wegen der Lasten-Transporte mit eisernen Streben verstärkt. Feuer, Wasser, Ruß und Chemikalien taten das Ihre. 153 Jahre lang. Erst als sich Mitte des 19. Jahrhundert der Denkmalschutz zu formieren begann, wurden die Manufaktur ausquartiert und das Schloss wieder hergerichtet. Nun zog der Historismus in die Innenräume: Wand-Gemälde erzählen sächsische Geschichte, romantisch und heroisch. Doch trotz der Riesenbilder bestimmen die elegante Gotik, die Pfeiler und Zellen-Gewölbe den Raum-Eindruck. Wonach die Gäste am häufigsten fragen? Albertus überlegt nicht lange: „Wo Albrechts Verlobung abgebildet ist, haben wir ein Hochzeits-Zimmer eingerichtet. Dort wollen alle wissen, ob auch die Braut Filz-Pantoffeln zum Schutz des kostbaren Bodens tragen muss.“

    Blick über die Schultern der Meissener Porzellan-Former

    Wer die Meissener Porzellan-Manufaktur heute besichtigen möchte, muss wieder in die Stadt hinabsteigen. Dort, wo auch die Pferde des Kremsers verschnaufen, lädt ein kleiner Bus zur Rundfahrt. In den zehn Minuten bis zur Manufaktur lenkt der Fahrer nicht nur sein Gefährt durch die engen Gassen, sondern führt auch im Eilmarsch durch die Stadt-Geschichte. Andreas Pistorius erzählt vom Weinbau und von der Tuch-Macherei und natürlich vom Porzellan. Der Mann am Steuer hat alles im Kopf. „Sonst könnte ich ja nicht auf den Verkehr achten“, sagt er – und fährt mit seiner Geschichts-Stunde fort. Nur morgens und zum Feierabend, wenn er Pendler im Bus hat, verzichte er auf seine Ausführungen. Im Tal der Triebisch, einem Nebenfluss der Elbe, hat sich der Betrieb 1863 niedergelassen. Andreas Pistorius hält am Publikums-Eingang.

    Stundenlang könnte man durch das Porzellanmuseum spazieren

    Dort ist vom winzigen Figürchen bis zur meterhohen Prunkvase einer Weltaus-Stellung alles zu sehen. Tausende Euro ließen sich im Shop ausgeben, wo Klassiker neben modernem Design stehen. Beginnen sollte man seine Runde in der Schau-Werkstatt. Eigentlich sind es mehrere Werkstätten, in denen man den Herstellungs-Prozess verfolgen kann. Die Besucher bekommen – über eine Lautsprecher-Stimme oder von den Mitarbeitern selbst – erklärt, was gerade passiert.

    Karmen Friedrich zum Beispiel ist Bossiererin. Sie setzt vorgefertigte Porzellan-Teile zusammen und formt dann freihändig all die Ornamente, Blüten und Tiere, welche die Stücke später schmücken. Unter ihren Händen nimmt die Figur einer Kugelspielerin, entworfen Ende des 19. Jahrhunderts, Gestalt an. Noch liegt der Körper des Mädchens neben der Formerin. Vor ihr steht ein Baum-Stumpf, an dem sie eine Efeuranke emporwachsen lässt. Dazu drückt sie eine winzige Menge weicher Porzellan-Masse in eine flache Form, hebt das entstandene Blättchen mit einer Pinzette wieder heraus und tupft es behutsam an den Stamm. „Ob ich es flach anlege oder wölbe, ist mir überlassen“, erklärt sie, „auch wie viele Blätter ich verwende.“ Und dann verrät sie noch: „Meist ist es so, dass die schlanken Kolleginnen etwas zierlicher formen – und ich eben üppiger.“

    So entstehen Porzellan-Rosen

    Damit das Publikum noch erlebt, wie die Rosen entstehen, die so viele Meissener Stücke zieren, führt Karmen Friedrich auch das vor. Sie rollt ein Kügelchen aus Porzellan-Masse, presst es auf ihrer Hand zu einem kleinen Fladen, drückt ihn an das bereits entstandene Blütenblätter-Bündel und lässt es zur zarten Rose erblühen. Nach der offiziellen Führung steigen die Gäste von den Podesten, beugen sich über die halb fertigen Kostbarkeiten und löchern die Manufakturisten mit ihren Fragen. Heute wird die Porzellan-Herstellung eben nicht mehr versteckt, sondern steht im Rampenlicht. Nur die Rezepturen bleiben auch nach 300 Jahren ein Geheimnis.

     

    Tipp aus der Printausgabe: Januar 2017 | Marlies Heinz
  • Unsere Restauranttipps in der Region

    Alter Elbehof

    Der Biergarten des Alten Elbehaus im Torgauer Stadtteil Werdau bietet wohl einen der schönsten Ausblicke in der Region: weit über die Elbtal-Aue bis hin zum prächtigen Renaissance-Schloss Hartenfels auf der anderen Flussseite. Doch der große Biergarten des traditionsreichen Gastronomiebetriebs hat noch mehr zu bieten als nur den fantastischen Ausblick.

    Seit 2010 verfügt das Elbehaus über eine eigene Brauerei. Im Schatten unter hundertjährigen Linden und Kastanien können die Gäste entspannt die hauseigenen Biersorten durchprobieren. Gut gekühlt bei warmem Wetter ein Muss! Dazu passen die Spezialitäten des Hauses besonders gut: Räucherfisch und frisches Brot aus dem eigenen Back- und Räucherofen.

    Wer kein Fan von Fisch ist, für den sind die Grill-Büffets des Elbehaus das Richtige. Elbehof-Chefin Simone Hepe und ihr Team tischen während der Sommermonate im festlich geschmückten Biergarten reichlich gebrutzelte Köstlichkeiten auf.

     

    Adresse: Werdau Nr. 12, 04860 Torgau
    Telefon: 0 34 21/90 45 25

    Öffnungszeiten: täglich 11:00 - 22:00 Uhr,
    von Januar bis April ist am Montag Ruhetag

    www.elbehof-torgau.de
    Am Goldenen Wagen

    Romantischer Weinkeller, große Auswahl an lokalen Weinen.

    Adresse: Hoflößnitzstr. 62, 01445 Radebeul 
    Telefon: 03 51/ 8 36 25 53
    Öffnungszeiten: Montag - Samstag 14:00 - 20:00 Uhr,
    Sonntag 11:00 - 19:00 Uhr,
    Mittwoch geschlossen

    www.goldenerwagen.de
    Café am Dom

    Sächsische Kuchenspezialitäten mit tollem Blick über das Elb- tal.

    Adresse: Domplatz 5, 01662 Meißen
    Telefon: 0 35 21/ 40 44 86
    Öffnungszeiten: Montag - Freitag 11:00 - 18:00 Uhr,
    Samstag 10:30 - 19:00 Uhr,
    Sonntag 10:30 - 18:00 Uhr

    www.cafe-am-dom-meissen.com
    Café im Schloss

    Hausgebackener Kuchen am Fuße des Wendelsteins.

    Adresse: Im Schloss, 04860 Torgau
    Telefon: 0 34 21/7 01 80 88
    Öffnungszeiten: täglich ab 10:00 Uhr

    herrkaethe-torgau.de
    Die Schmiede

    Feine Speisen und mehr als 200 Sorten Whisky, dazu Livemusik.

    Adresse: Altkötzschenbroda 21, 01445 Radebeul
    Telefon: 03 51/8 38 67 07
    Öffnungszeiten: täglich 17:30 - 22:00 Uhr

    www.schmiede-radebeul.de
    Domkeller Meißen

    Das älteste Gasthaus der Stadt (1470) bietet regionale Leckereien.

    Adresse: Domplatz 9, 01662 Meißen
    Telefon: 0 35 21/ 45 76 76
    Öffnungszeiten: Montag - Samstag 11:00 - 23:00 Uhr,
    Sonntag 11:00 - 22:00 Uhr

    www.domkeller-meissen.com
    Gasthaus Schloss Wackerbarth

    Barocke Schloss- und Gartenanlage, Staatsweingut, gehobene Küche.

    Adresse: Wackerbarthstr. 1, 01445 Radebeul
    Telefon: 03 51/8 95 50
    Öffnungszeiten:
    Januar: geschlossen

    Februar und März:
    Montag - Mittwoch geschlossen,
    Donnerstag - Samstag 12:00 - 20:00 Uhr,
    Sonntag 10:00 - 18:00 Uhr

    April - Dezember:
    Montag geschlossen,
    Dienstag - Samstag 12:00 - 22:00 Uhr,
    Sonntag 10:00 - 18:00 Uhr

    www.schloss-wackerbarth.de/
    Herr Käthe

    Im gemütlichem Restaurant Herr Käthe in Torgau mit seinen alten Balken und Eichenfußboden servieren Chefin Beatrix Dörge und ihr Team den Gästen lustig benannte rustikale Gerichte: Spießiges Hähnchen, Scharfes Früchtchen, Glücklicher Bulle und Verspackte Nixe stehen nebst zahlreicher weiterer Gerichte auf der Speisekarte. Auch vegane Speisen werden hier serviert.

    Bei schönem Wetter ist der Biergarten im gepflasterten Innenhof des Lokals geöffnet. Dort sitzen die Besucher unter Kletterranken an kleinen Holztischen und -stühlen. Ein prima Ort, um nach einer anstrengenden Stadtbesichtigung ein wenig zu entspannen, denn Herr Käthe liegt mitten in Torgaus Altstadt und nur drei Minuten Fußweg vom berühmten Renaissance-Schloss Hartenfels entfernt.

    Adresse: Katharinenst. 4, 04860 Torgau
    Telefon: 0 34 21/ 77 86 65
    Öffnungszeiten: Täglich ab 11:30 Uhr

    herrkaethe-torgau.de
    Ullrich’s Kellerwirtschaft

    Sächsische Gerichte in historischem Gewölbekeller.

    Adresse: Marktgasse 1, 01662 Meißen
    Telefon: 0 35 21/ 40 45 26
    Öffnungszeiten: täglich ab 11:00 Uhr

    www.ullrichs-kellerwirtschaft.de
  • Unsere Ausflugstipps in der Region


Städte in der Region Sächsisches Elbland

Regionen im Umfeld