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Auf Schienen durch Holstein
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Der Kieler Hauptbahnhof ist Zielbahnhof der Bahnreise durch die Holsteinische Schweiz.
  • Auf Schienen durch Holstein

    Wer in die Lübecker Altstadt spaziert, muss sich auf einen stürmischen Empfang gefasst machen: Hinter dem Holstentor mit seinen spätgotischen Türmen fegt ein rauer Küstenwind durch die Straßen der mittelalterlichen Hansestadt. „Tor zum Norden“ wird Lübeck auch genannt – und tatsächlich, die Nähe zur Ostsee ist im historisch bedeutsamen Handelszentrum allgegenwärtig. Der Weg führt durch verwinkelte Gassen zwischen den Bürgerhäusern aus karminrotem Backstein entlang. Seeleute und Händler bevölkerten früher diese Straßen – und kamen im Gildehaus der Schiffergesellschaft zusammen. In dem Gebäude im nördlichen Teil der Altstadt tagte über Jahrhunderte die Zunft der Seefahrer. Heute wird dort unter mächtigen Messingkronleuchtern und verblichenen Gemälden Bier ausgeschenkt und frischer Fisch serviert.

    Hier liegt das stolze Viermaster-Museumsschiff SS Passat vor Anker

    Das eigentliche maritime Wahrzeichen von Lübeck aber ist die SS Passat, einer der letzten großen Windjammer Deutschlands, den Besucher im Stadtteil Travemünde besichtigen können. Knapp 15 Minuten braucht die Regionalbahn dorthin. Ein Fährschiff bringt Passagiere weiter auf den Priwall, eine Halbinsel, an der der Viermaster seit über 50 Jahren als Museumsschiff vor Anker liegt.

    Kapitän Klaus Grope führt Schulklassen durch das Schiff

    Keiner kennt die SS Passat besser als der 75-jährige Kapitän Klaus Grope. In den 1950er-Jahren machte er seine Ausbildung zum Matrosen an Bord des einstigen Handelsschiffs. Er lernte, wie Segel getakelt, Kurse berechnet werden und wie man den 115 Meter langen Koloss bei Wind, Sturm und Regen sicher über den Atlantik steuert. Heute führt er Schulklassen durch die Lagerräume im Bug, die groß sind wie Fabrikhallen. „Früher lagerten hier bis zu 4700 Tonnen Getreide und Salpeter als Düngemittel, die von Südamerika nach Europa transportiert wurden“, erinnert sich Grope. An gleicher Stelle befinden sich nun Exponate: vergilbte Fotos, antike Fernrohre, Kompasse und Rettungsringe.

    Gletscher formten die leicht hügelige Landschaft um Lübeck

    Nach 38 Jahren Seefahrt ist Grope kaum noch auf dem Wasser unterwegs. Seit seiner Pensionierung bleibt er gerne zu Hause in Lübeck, seinem Geburtsort. „Ich war so viel unterwegs in meinem Leben, da muss ich nicht mehr verreisen“, sagt er und lacht. Hier an der Ostseeküste hat er alles, was er braucht: Das Alte Land mit seinen saftigen Obstbäumen bei Hamburg liegt quasi vor der Haustür, und die frische, salzige Seeluft: „Ganz ohne Wasser leben, das könnt’ ich nicht!

    Bahnfahrt durch den im Naturpark Holsteinische Schweiz

    Doch nicht nur an der Küste, auch auf dem Weg von Lübeck nach Kiel spielt Wasser eine bedeutende Rolle. Wir lassen die Strand-Promenade mit ihren blau-weiß-gestreiften Strandkörben hinter uns und fahren mit der Regionalbahn weiter nach Eutin, mitten im Naturpark Holsteinische Schweiz.
    Hinter Bad Schwartau rumpelt die Bahn durch dicht bewachsenen Mischwald. Die großen Panoramafenster bringen einen ganz nahe an die Natur. Etwa so, als säße man in einem fahrenden Wintergarten. Bäume, Büsche und Sträucher – alles ist wild verwachsen wie in einem Urwald. Der Weg schlängelt sich vorbei an lichten Laubwäldern und grünen Weiden, idyllischen Rapsfeldern und sanften Hügeln.

    Gigantische Gletscher formten die leicht hügelige Landschaft

    Und auch die knapp 200 Seen. Seltene Tierarten wie Eisvogel und Seeadler leben hier. Charakteristisch für die Landschaft sind die sogenannten Knicks. Dabei handelt es sich um von Menschenhand gepflanzte Wallhecken, die den Bauern als Begrenzung und Windschutz dienten. Die vom Wind miteinander verflochtenen Sträucher wie Sanddorn, Heckenrosen, Brombeeren und Schlehen tragen im Frühjahr duftende Blüten und im Herbst bunte Früchte. Singvögel bauen dort ihre Nester und suchen Nahrung, Haselmaus und Igel finden in den Knicks Unterschlupf.

    Kurz vor Eutin häufen sich die Lichtungen

    Der erste Eindruck des Kurorts: ein kleines Bahnhofshäuschen, weiß verputzt mit Stuckverzierungen und blauen Fensterrahmen. Eine Kulisse, die dem deutschen Fernsehpublikum seit den 1970er-Jahren durch die Serie Kleinstadt-Bahnhof bekannt ist. In der ging es um den beschaulichen Alltag in einer Bahnhofs-Gaststätte. Das ist aber nicht der einzige Filmschauplatz in der Gegend: Auf Gut Rothensande im benachbarten Bad Malente wurde die Kinofilmreihe über den Immenhof mit Heidi Brühl und Angelika Meissner in den Hauptrollen gedreht. Man könnte sich kaum einen besseren Landstrich vorstellen, um vom Leben der Schwestern Dick und Dalli auf ihrem Ponyhof zu erzählen. Heute lockt das Immenhof-Museum, das Requisiten aus den 1950er-Jahren zeigt, viele Fans in die Holsteinische Schweiz.

    Auch die Innenstadt von Eutin zeigt reinste Bilderbuchromantik

    Zweistöckige, cremefarbene Gründerzeitvillen mit geschwungenen Dachgiebeln und mittelalterliche Fachwerkhäuser führen zum Marktplatz. Die Fassaden in den kopfsteingepflasterten Twieten, wie die engen Gassen auf Plattdeutsch heißen, sind teils mit Efeu und Wein bewachsen, teils von Rosenstöcken bedeckt. Nur wenige Schritte vom Rathaus entfernt liegt der Eutiner Schlosspark, eines der bedeutendsten Garten-Kunstwerke Schleswig-Holsteins.

    Den Besucher erwartet ein Kleinod

    Kastanien, Apfelbäume, Trauerweiden und Hagebutten-Sträucher, aber auch exotischere Pflanzen wie Zierquitten und Lederhülsen-Bäume mit ihren trichterförmigen Baumkronen säumen den Weg. Ein Spazierpfad führt über Bäche, Tümpel und vorbei an einem kleinen Wasserfall. Der Wind raschelt in den Baumwipfeln, in der Luft liegt der Geruch von frischem Fenchel, der hier im Schlosspark wächst. Als „Weimar des Nordens“ war Eutin schon zu Zeiten Goethes bekannt. Der Komponist Carl Maria von Weber wurde hier geboren, Dichter und Intellektuelle wie Herder, Klopstock und Wilhelm von Humboldt schätzten die erholsame Umgebung.

    Noch heute lassen sich Künstler gerne hier nieder

    Eine von ihnen ist Heike Bender. Umgeben von elf Seen lebt sie in der Kreisstadt Plön, dem nächsten Stopp auf der Bahnfahrt. „Was Eutin an Kultur hat, haben wir an Natur“, sagt Bender. Sie schwingt sich aufs Fahrrad und fährt los: vom Bahnhof aus an der Altstadt vorbei Richtung Norden, immer am Seeufer entlang. Auf einer Landenge leben sie und ihr Mann in einem Einfamilienhaus. Von der Küche aus blickt man zum Trammer See mit seinen winzigen, grün bewachsenen Inseln, vom Garten mit eigenem Bootssteg aus zum Trentsee. „Das ist unser kleines Paradies“, sagt Heike Bender und lächelt.

    Das Haus ist zugleich Atelier und Werkstätte der 57-jährigen Stuttgarterin, die seit knapp 20 Jahren in Plön wohnt: Hier erschafft sie ihre Reliefbilder. Mit Modelliermasse formt Bender handtellergroße Skulpturen, die sie auf eine Leinwand klebt, mit Messing, Aluminum und Bronze bedeckt und zuletzt mit Schellack koloriert. Die Motive sind meist maritim: Kraken, Fische und Quallen, aber auch Wasserpflanzen wie Seerosen und Süßwasseralgen. „Meer und Wasser haben mich schon als Kind fasziniert“, sagt Bender, „die Weite, der Geruch von Seetang, der Sturm, der einen den Kopf durchpustet – das ist ein Stück Freiheit.“

    Segelboote durchziehen den See vor dem Plöner Schlosses

    Auf dem Weg zurück zum von Backsteinhäusern umringten Marktplatz führt ein Abzweig zum Wahrzeichen von Plön: dem einzigen auf einem Berg liegenden Schloss Schleswig-Holsteins. Vom Restaurant des Plöner Schlosses aus bietet sich Besuchern ein schöner Blick über die von Segelbooten befahrene Seenplatte. Ist man gerne selbst auf dem Wasser unterwegs, kann man vom nahe gelegenen Anleger aus auf Große-Plöner-See-Rundfahrt gehen: Zwei Stunden lang dauert die Schiffstour über den größten Binnensee Schleswig-Holsteins, bei der man gemütlich an fast 30 Inseln, dem Plöner Schloss und Naturschutzgebieten mit seltenen Wasservögeln entlangplätschert.

    Zurück geht’s dem Sonnenuntergang entgegen

    Wer sich dann am Spätnachmittag mit dem Zug aufmacht und Glück mit dem Wetter hat, fährt auf der letzten Etappe nach Kiel dem Sonnenuntergang entgegen: Die Baumwipfel sind in rötliches Licht getaucht, der Große Plöner See schimmert dahinter. Das Wasser ist ruhig und klar, kaum eine Welle trübt die Idylle. Kurz vor Preetz verlässt der Zug das Naturschutzgebiet – und die Strecke wird städtischer.

    Nach dieser Tour am Kieler Hauptbahnhof auszusteigen ist, als würde man aus einem Traum erwachen: Am Ufer der Förde, wo einmal jährlich zur Kieler Woche Yachten um die Wette segeln, liegen Kreuzfahrtschiffe und Mammutfähren, bereit zur Abfahrt nach Skandinavien. Nur aus der Ferne ist das Geschrei der Seemöwen zu hören – leise, aber klar, wie die Erinnerung an die berauschende Landschaft der Holsteinischen Schweiz.

     

    Tipp aus der Printausgabe: August / September 2015 | Julius Schophoff

    Ausflugtipps vor Ort

  • Unsere Restauranttipps in der Region

    Alte Vogtei

    Schönes historisches Gebäude mit Restaurant, Café, Weinkabinett, Teekontor und Bildergalerie.

    Adresse:   Vorderreihe 7, 23570 Lübeck
    Telefon:
    045 02 / 77 08 68
    Öffnungszeiten: Montag - Sonntag 9:30 - 22:00 Uhr 

    www.alte-vogtei-travemuende.de
    Bootshaus Binz

    Leckere Fischgerichte in einer ehemaligen und historischen Seenotrettungsstation.

    Adresse: Strandpromenade 49, 18609 Binz
    Telefon: 03 83 93/5 79 44
    Öffnungszeiten: täglich ab 12:00 Uhr

    www.arkona-strandhotel.de/
    Braugasthaus Zum alten Fritz

    Regionale Fisch- und Fleischspezialitäten, selbst gebrautes Bier.

    Adresse: Greifswalder Chaussee 84–85, 18439 Stralsund
    Telefon: 0 38 31/ 25 55 00
    Öffnungszeiten: täglich ab 11:00 Uhr

    www.alter-fritz.de
    Eiscafé Bütow

    Spaghettieis, mit schönem Blick aufs Wasser.

    Adresse: Am Lohberg 8, 23966 Wismar 
    Telefon: 0 38 41/21 17 91
    Öffnungszeiten: Montag - Samstag 09:00 - 18:00 Uhr,
    Sonntag geschlossen

    Fischbrötchenbuden

    Der Snack schmeckt nirgendwo besser als im Fischereihafen, dazu Seeluft und maritimes Flair.

    Fisherman’s

    Fisch, Sonnenterrasse, dicke Pötte. Hier sitzt man in der ersten Reihe.

    Adresse:   Vorderreihe 64a, 23570 Lübeck
    Telefon:
    045 02 / 880202
    Öffnungszeiten: Montag - Donnerstag,
    Sonntag 11:00 - 21:00 Uhr,
    Freitag - Samstag 11:00 - 22:00 Uhr

    www.fishermans-wir-machen-den-fisch.de
    Kontor Scheele

    Frischer Kaffee aus der hauseigenen Rösterei und süße Stralsunder Versuchungen.

    Adresse: Fährstraße 23–25, 18439 Stralsund
    Telefon: 0 38 31/2 83 31 19
    Öffnungszeiten: Montag - Samstag 12:00 - 17:00 Uhr,
    Sonntag 10:00 - 15:00 Uhr

    www.scheelehof.de
    NurFisch – das Fischbistro

    Alles Fisch – vom Brötchen über die Suppe bis zum ganzen Menü.

    Adresse: Heilgeiststraße 92, 18439 Stralsund
    Telefon: 0 38 31/30 66 09
    Öffnungszeiten: Montag - Samstag 10:00 – 16:00 Uhr,
    Sonntag geschlossen

    Oma’s Küche

    Regionale Gerichte in urgemütlicher Atmosphäre.

    Adresse: Proraer Chaussee 2a, 18609 Binz
    Telefon: 038393/ 13556
    Öffnungszeiten: täglich ab 8:00 Uhr

    www.omas-kueche-binz.de
    Restaurant Alter Schwede

    Geschichtsträchtiges Restaurant mit urigem Backsteinambiente.

    Adresse: Am Markt 22, 23966 Wismar
    Telefon: 0 38 41/28 35 52
    Öffnungszeiten: Montag - Sonntag 11:30 - 22:00 Uhr

    www.alter-schwede-wismar.de
    Seeperle

    Erste Adresse für Fischgerichte.

    Adresse: Schiffbauerdamm 3, 23966 Wismar 
    Telefon: 0 38 41/ 3 26 68 13
    Öffnungszeiten: Montag - Sonntag 8:00 - 19:30 Uhr

    www.seeperle-wismar.de
    Strandhalle Binz

    Gehobene regionale Speisen in uriger Villa mit Meerblick.

    Adresse: Strandpromenade 5, 18609 Binz
    Telefon: 03 83 93/ 3 15 64
    Öffnungszeiten: Täglich 12:00 - 22:00 Uhr

    www.strandhalle-binz.de
  • Unsere Ausflugstipps in der Region


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