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Barockschloss Ludwigsburg: Das schwäbische Versailles
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Das barocke Residenz-Schloss Ludwigsburg wurde zwischen 1704 und 1733 unter der Herrschaft von Herzog Eberhard Ludwig von Württemberg im Barockstil erbaut.
  • Barockschloss Ludwigsburg: Das schwäbische Versailles

    Die Röcke leicht raffen, die Finger zierlich abspreizen. Sieht man auch die Knöchel nicht? Pfui, das wäre wirklich unsittlich. Seien Sie gegrüßt! Ich bin Wilhelmine von Grävenitz und zeige Ihnen heute mein Zuhause. Sitzt die Perücke gerade? Dann gehen wir. Aber bitte nicht so schnell, ich kann ja kaum atmen. Hier habe ich gewohnt: 18 Gebäude, 452 Zimmer, zwei Kirchen, ein Theater, großer Ehrenhof, Garten. Alles da, was man zum Leben braucht. Mein Geliebter, Herzog Eberhard Ludwig von Württemberg, hat dieses Liebesnest auf mein Drängen hin für uns erbaut. Es ist nach ihm benannt: Schloss Ludwigsburg. Lumpenburg nannte es das Volk. Es hasste mich. Einiges hat sich seitdem verändert. Aber kommen Sie, kommen Sie, ich zeige Ihnen einen Ort, an dem die barocke Welt noch in Ordnung ist: das Kinder-Reich.

    Eine Reise für Kinder in die Barockzeit

    Ah, der König bereitet sich gerade auf seine Audienz vor. Was sagt er? Nö? Grundgütiger, ein Affront! Wo ist mein Fächer? Doch sehen Sie selbst. Fünf Räume von Schloss Ludwigsburg gehören heute dem Kinder-Reich. In der liebevoll nachgebauten Mini-Residenz mit Kristall-Lüstern, Stoff-Tapeten, Thron und königlicher Schlafstatt gibt es für Vier- bis Zwölfjährige Geschichte zum Anfassen und Mitspielen. Auf ihrer Reise in die Barockzeit dürfen sie sich für zwei Stunden wie Prinz oder Prinzessin fühlen und bewegen – möglichst wenig. „Ihr müsst nichts selber machen, nur schön sein“, erklärt Schloss-Führerin Petra Schweißer der Kinderschar, als sie die Schränke im Ankleide-Zimmer öffnet. Bodenlange Kleider mit Spitzen und Bordüren, gerüschte Hemden und goldbestickte Jacken kommen zum Vorschein. „Ein Prinz mit vielen Spitzen hatte viel Geld und war eine gute Partie“, verrät Petra Schweißer. Dann kleidet sie den Adelsspross ein und schminkt rote Kuss-Münder. Die kostbare Brüsseler Spitze war damals die Rolex des reichen Mannes. Herzog Carl Eugen, der Nachfolger von Eberhard Ludwig, soll 192 paar Ärmelspitzen besessen haben.

    Der Herzog und die Mätresse – eine folgenschwere Liaison

    Und nun sagt der junge König einfach „Nö“. Kilian hat keine Lust, auf den Thron zu steigen. Sein Gefolge nimmt das gelassen. Die sieben Prinzessinnen sind noch damit beschäftigt, sich in ihren kostbaren Roben vor dem Spiegel zu drehen und die Krönchen im Haar zurechtzurücken. Ach, ich erinnere mich noch gut daran, wie ich, die mittellose Adlige aus Mecklenburg, von einem Leben als Prinzessin träumte. Als ich 1706 an den Hof nach Stuttgart kam, verliebte sich der gute Eberhard Ludwig unsterblich in meine schöne Gesangs-Stimme. Wilhelmine, die Sirene. Die Folgen unserer Liaison waren gewaltig. Der junge Herzog war nämlich bereits verheiratet. Deshalb verlegte er seine Residenz nach Ludwigsburg, um Distanz zwischen mich und seine Gemahlin zu bringen.

    Das schwäbische Versailles

    Ich muss zugeben, dass eine der größten barocken Schloss-Anlagen Deutschlands auf einem Fundament aus Leidenschaft, Machtspielen und Intrigen errichtet wurde. Anfangs war sie ja ein bisschen mickrig. Ein Haupt-Gebäude, das Corps de Logis, und zwei Flügel. Damit kann man doch keinen Eindruck machen! Wir schielten damals ja alle nach Versailles. Ludwig XIV. war einfach der Größte und der absolute Trendsetter, was modischen Chic, Repräsentation von Macht und angemessenen Pomp anging. Nach und nach verdoppelte unser Architekt das Schloss in vollkommener Symmetrie – großartig. Unser schwäbisches Versailles war auf dem Weg, einer der prächtigsten Höfe Europas zu werden. Rauschende Feste haben wir hier gefeiert.

    Natürlich wollte jede die Schönste sein

    Schauen Sie sich im Mode-Museum im ehemaligen Kavaliersgebäude doch mal an, wie man sich bei öffentlichen Auftritten standesgemäß kleidete. Mir schwindelt, ich bin erschöpft. Es war eine Mode, die den Atem raubte: tiefe Dekolletés, ausladende Formen und luxuriöse Stoffe aus Seidenbrokat mit Gold- und Silberfäden sowie prachtvollen Stickereien. So symmetrisch wie die Architektur, so theatralisch und pompös wie das Leben am Hof, so überschäumend wie das Lebens-Gefühl – in einem Korsett von Etikette und Normen. Die Barock-Zeit war nämlich zugleich eine Epoche strenger Ordnung und gesellschaftlicher Hierarchien. Und wer schön sein wollte, musste leiden – unter blei- und quecksilberhaltiger weißer Schminke und straff geschnürten Miedern.

    Puder und Perücke – ein Fest für Ungeziefer

    Zu weißen Seidenstrümpfen, Schnallenschuhen mit hohen Absätzen und gepuderter Perücke über dem rasierten Schädel trug der Mann enge, steife Jacken mit Knöpfen aus Perlmutt oder Edelstein und kostbar gewirkte Westen. Die Damen atmeten flach unter den Fischbein-Stäben ihres Korsetts. Ihre Reifröcke bauschten sich unterhalb der Wespen-Taille und betonten so die Mitte des Körpers. „Man konnte sich darin nicht bewegen und bewegte sich auch wenig“, sagt die Kunst-Historikerin Anita Klaus-Mathony. „Aber diese Mode erzwang eine kerzengerade Haltung. Sie machte groß und Eindruck, wenn die Damen durch die geöffneten Flügeltüren rauschten.“ Bereits Kinder waren so gekleidet. Ein Taufkleid zeigt, dass sogar Säuglinge bei ihrem ersten repräsentativen Auftritt in ein Mieder gezwängt wurden.

    Im Kinderreich ist das alles nur ein Spiel

    Petra Schweißer erzählt von den Floh-Fallen, die man unter den Gewändern trug, denn gebadet wurde damals selten. Das Ungeziefer feierte seine eigenen Feste. „In die Behältnisse aus Holz oder Elfenbein steckte man blutgetränkte Lappen“, erklärt sie den Kindern. „Durch schmale Ritzen kamen die Flöhe und Läuse zwar hinein, wenn sie vollgefressen waren, aber nicht mehr heraus.“ Dann lernen die Prinzen und Prinzessinnen, wie man sich richtig verbeugt und Seine Hoheit anspricht. Hier bin ich wieder. Ich musste meine Mouche, den Schönheits-Fleck, neu aufkleben. Nun zeigt er, das ich einem kleinen Abenteuer nicht abgeneigt bin.

    Die königlichen Gemächer

    Folgen Sie mir vorher aber über den großen Ehrenhof in die königlichen Gemächer. Mit Friedrich I. wohnte von 1806 bis 1816 ein richtiger König im Schloss. Das war lange nach meiner Zeit, und er hat einiges verändert. Den klassizistischen Marmor-Saal finde ich dennoch ganz wunderbar. Am liebsten halte ich mich aber im entzückenden Spiegel-Kabinett mit seinen mehr als 100 venezianischen Spiegeln auf. Ich kann mich kaum losreißen von dieser irrealen barocken Zauberwelt. Gehen Sie schon mal weiter durch die lange Bildergalerie, schauen Sie sich in Ruhe den prächtigen Ordenssaal an. Vielleicht sehen wir uns später im Garten.

    Ausladende Garten-Pracht

    Die Residenz ist an drei Seiten von Gärten umgeben. Da es im Schloss schlecht roch, zog es die Menschen bei jeder Gelegenheit nach draußen. Die Broderie-Beete mit ihren geschwungenen Buchs-Ornamenten und dem Farbenspiel der Blumen gleichen den kostbaren Stickereien auf den Gewändern. Im südlichen Garten, einst ein barockes Garten-Kunstwerk nach französischem Vorbild, befindet sich heute die Dauer-Gartenschau „Blühendes Barock“. Man kann sich vorstellen, wie die Damen hier einst an Hecken, Skulpturen und Wasser-Spielen entlangtrippelten und sich mit ihren Elfenbein-Fächern Luft zufächelten. Die waren ein wichtiges Accessoire, exquisit, modisch, vieldeutig. Man konnte damit flirten und Botschaften senden. Jeder kannte den Code der Fächer-Sprache.

    Mit den Zeiten änderte sich auch der Gartengeschmack

    In der Schlucht auf der Ostseite des Schlosses ließ König Friedrich I. einen Landschafts-Garten im Geist der Romantik mit einer kleinen Burgruine auf einem Felsen anlegen und Karussells aufstellen. Hier spielte und schaukelte die Hof-Gesellschaft. Heute befindet sich dort das Reich von Rapunzel, Rübezahl und dem Froschkönig – ein Märchengarten für die ganz Kleinen. So lebt der barocke Geist im Schloss Ludwigsburg wie zu seinen Glanzzeiten fort: kunstvoll im Interieur, verspielt in den Gärten, prachtvoll mit seinen Prinzen und Prinzessinnen. Selbst wenn der König einmal „Nö“ sagt.

    Tipp aus der Printausgabe: Februar / März 2017 | Dorothee Fauth

  • Unsere Restauranttipps in der Region

    Cluss-Garten

    Clussgarten – so heißt der Biergarten auf dem Gelände der ehemaligen Cluss Brauerei in Ludwigsburg, direkt neben dem Scala Theater. Hier finden Hungrige, Durstige und alle, die im Freien dinieren möchten an einem wunderbaren atmosphärischen Ort die Möglichkeit dazu.

    Auf der Karte stehen Salate und kleine Snacks - rustikale Biergartenkost. Um den Bierdurst zu löschen gibt's frisch gezapftes Rossknecht Bier aus der Brauerei zum Rossknecht in Ludwigsburg, sowie weitere Flaschenbiere. Die Gäste sitzen in entspanntem Ambiente auf Holz-Klappstühlen zwischen Bäumen und Büschen und unter Lichterketten auf der Terrasse. Eine mit Efeu bewachsene Mauer schirmt den Biergarten zur Straße hin ab. Netter Service: Für alle, denen in den Abendstunden schnell kühl wird, stellen die Betreiber des Biergartens Fleece-Decken zur Verfügung.

    Adresse: Stuttgarter Str. 2, 71638 Ludwigsburg
    Telefon: 07141 3898880
    Öffnungszeiten: Dienstag - Sonntag ab 17:00 Uhr

    www.scala-backstage.de/Restaurant
    Cube

    Unten Lounge, oben Restaurant mit Blick über die Stadt.

    Adresse: Kleiner Schloßplatz 1, 70173 Stuttgart
    Telefon: 07 11/2 80 44 41
    Öffnungszeiten: Montag - Sonntag 11:45 - 16:45 Uhr, 17:45 - 24:00 Uhr

    cube-restaurant.de/
    Einhorn

    Schwäbische Spezialitäten in Weinkeller, Backstub und Bauernstüble.

    Adresse: Heugasse 17, 73728 Esslingen am Neckar
    Telefon: 07 11/35 35 90
    Öffnungszeiten: Montags - Samstag 11:30 - 14:00 Uhr, 17:00 - 24:00 Uhr,
    Sonntags und Feiertage geschlossen

    www.weinkellereinhorn.de
    Jägerhaus

    Uralte Kastanien beschatten den idyllischen Biergarten des Jägerhaus. Er liegt hoch über der Stadt Esslingen und dem Neckar-Tal, direkt am Naherholungsgebiet Schurwald. Viele Wanderer und Radfahrer kehren dort ein, um auf der großzügigen Terrasse bei typisch schwäbischen Gerichten wie Linsen und Spätzle, Maultaschen oder Zwiebelrostbraten ein frisch gezapftes kühles Bier zu genießen. Neben schwäbischer Küche finden sich noch weitere Köstlichkeiten wie Garnelen mit Chili-Mango-Sauce, leckere Salate oder Nudelgerichte auf der Speisekarte.

    Nachdem Hunger und Durst gestillt sind, bleibt den Gästen Zeit, zu entspannen, die Aussicht zu genießen und den Blick weit über das Neckartal schweifen zu lassen, bevor sie erneut die Wanderschuhe schnüren oder sich aufs Rad schwingen.

    Adresse: Römerstr. 7, 73732 Esslingen am Neckar
    Telefon: 07 11/ 37 03 30
    Öffnungszeiten: täglich 11:30 - 23:00 Uhr

    www.jaegerhaus-esslingen.de
    Murrhardter Hof

    Ein schwäbischer Türke ist der Stuttgarter Meister von Maultaschen und Kartoffelsalat.

    Adresse: Wilhelmsplatz  6, 70182 Stuttgart
    Telefon: 07 11 /  51  89  01  12
    Öffnungszeiten: Montag - Freitag  11:30 - 14:30 Uhr, 17:30 - 24:00 Uhr,
    Samstag 17:00 - 24:00 Uhr,
    Sonntag 11:30 - 14:30 Uhr, 17:30 - 23:00 Uhr

    www.murrhardter-hof.de
    Post-Cantz

    Urschwäbischer Gasthof.

    Adresse: Eberhardstr. 6, 71634 Ludwigsburg
    Telefon: 0 71 41/92 35 63
    Öffnungszeiten: täglich 12:00 - 14:00 Uhr, 18:00 - 23:00 Uhr,
    Mittwoch und Donnerstag geschlossen

    www.post-cantz.de
    Stadtbesen

    Gute schwäbische Weine zu kleiner Küche.

    Adresse: Marktplatz 1, 70173 Stuttgart
    Telefon: 07 11/2 39 78 24
    Öffnungszeiten: Dienstag – Freitag ab 16:00 Uhr,
    Samstag ab 11:00 Uhr,
    Montag, Sonn- und Feiertag geschlossen

    stadtbesen.com
    Waldhorn am Schloss

    Im ältesten Restaurant der Stadt (seit 1707) speist man fürstlich-schwäbisch.

    Adresse: Schlossstr. 33, 71634 Ludwigsburg
    Telefon: 0 71 41/9 11 73 76
    Öffnungszeiten: Dienstag - Samstag 17:30 - 23:00 Uhr,
    Sonntag 11:30 - 14:30 Uhr, 17:30 - 22:00 Uhr,
    Montag geschlossen

    www.waldhornamschloss.de
  • Unsere Ausflugstipps in der Region


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