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Bayerische Zugspitzbahn: Mit dem Zug zur Spitze
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Ein Triebwagen der Zugspitzbahn im Gletscher-Bahnhof Zugspitze.
  • Bayerische Zugspitzbahn: Mit dem Zug zur Spitze

    Gut 100 Jahre lang gehörte sie allein denjenigen, die durch Klammen, über Gletscher und Grate stiegen, Gefahren und Strapazen trotzten. Am Ende ihres Wegs hatten die mutigen Bergsteiger den höchsten Berg Deutschlands bezwungen: die Zugspitze, 2962 Meter hoch. Sie hörten Stille und Wind, sahen einen gewaltigen Gletscher und blickten auf ein Panorama mit mehr als 400 Gipfeln – ein erhabenes, überwältigendes Erlebnis, das sie mit niemandem teilen mussten. 1926 war damit Schluss. Die Tiroler erschlossen mit einer Seilbahn das Zugspitzmassiv, über dessen Westgipfel die Grenze zu Österreich verläuft.

    1928 nahm die Zugspitzbahn ihren Betrieb auf

    Richtig spektakulär wurde es vier Jahre später, als die Bayerische Zugspitzbahn nach nur zwei Jahren Bauzeit ihren Betrieb aufnahm. Das Meisterwerk der Ingenieurskunst fährt von Garmisch auf das Dach Deutschlands. Seither ist die Bahn frei für Skifahrer und Wanderer, Forscher und Wetterfrösche, Sommerrodler, Sonnenanbeter, Gipfelgucker und Grenzgänger.

    Die Einsamkeit ist zwar dahin, die Faszination jedoch blieb

    Obwohl die Zugspitze so knapp am Club der Dreitausender scheitert. Es reichte auch nicht, als sie im Jahr 2000 urplötzlich um 59 Zentimeter zulegte, nachdem die Bezugshöhe von Normalnull (NN) auf Normalhöhennull (NHN) umgestellt wurde und Deutschland neu vermessen werden musste.

    Los geht die Reise zur Zugspitze am Bahnhof München

    An einem sonnigen Tag wie diesem treten sich auf dem Münchner Bahnsteig die Träger von klobigem Schuhwerk gegenseitig auf die Füße. Die Fahrt mit der Regionalbahn vom bayerischen Flachland nach Garmisch-Partenkirchen ist der perfekte Auftakt zu einer Bahnreise auf die Zugspitze, weil jeder Kilometer Richtung Alpen von einem Crescendo des Panoramas und der Vorfreude begleitet wird.

    Vorbei geht’s am Starnberger See und an Tutzing

    Es beginnt mit einem Piano. Kurz hinter München rumpelt der Zug am Starnberger See entlang, der still und bleiern daliegt. Das gegenüberliegende Ufer verliert sich im Morgennebel. Nach einem Waldstück wird es zum ersten Mal theatralisch: Jemand hat den grauen Vorhang vom blitzblauen Himmel gerissen und die Nebelschwaden tiefer gelegt. Bei Tutzing tauchen in der Ferne erstmals Berge auf. Ein Kapellchen steht einsam auf einer weiten, schneebedeckten Fläche, und München ist schon ganz weit weg.

    Die Bahnstrecke nimmt eine bezaubernd ländliche Route, vorbei am Staffelsee und an Murnau – jene Marktgemeinde, die dem internationalen Kunstpublikum ein Begriff ist, weil dort zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Maler Gabriele Münter und Wassily Kandinsky lebten und ihre Werke schufen.

    Die Berge, schroff und mächtig, sind nun zum Greifen nah

    In Garmisch muss man zum Zugspitzbahnhof wechseln, der aber nur eine Unterführung entfernt ist. Dort wartet schon der kleine blau-weiße Zug, der anfangs auf einem Meter Schmalspur wie eine ganz normale Bimmelbahn Fahrt aufnimmt. Am Horizont rückt die Skischanze ins Blickfeld, auf der alljährlich das Neujahrsspringen stattfindet. Eine Pferdekutsche trippelt neben den Gleisen her, auf den Wiesen setzen hölzerne Heustadel dunkle Kontrapunkte in den Schnee. Nach wenigen Stopps erreicht man Grainau am Fuß des Waxenstein. Das Alpendorf liegt halbwegs mittig zwischen Himmel und Hölle: Immerwährender Blick auf die Zugspitze, die gurgelnde Höllentalklamm nicht weit.

    Hinter Grainau geht’s „auffi“

    Der Zug wird zur Zahnradbahn und erreicht nach 30 Minuten die Station Eibsee. Hier kann man entscheiden, ob man einfach sitzen bleibt bis zum Zugspitzplatt oder in die Seilbahn zum Gipfel umsteigt, die schneller und aussichtsreicher ist. Der Bildschirm am Eingang verspricht 180 Kilometer Fernsicht.

    Zur Zugspitze fährt der Postbote mit der Seilbahn

    Punkt 11.30 Uhr bremst ein gelbes Auto vor der Talstation der Seilbahn. Heraus springt Andreas Oberauer, rafft hastig zwei Kisten zusammen und sprintet los. Zu spät, Gondel verpasst, um wenige Sekunden. Er flucht leise, weil ihn das jetzt 15 Minuten kostet. Andreas Oberauer ist Postbote. Sein Zustellbereich liegt dort, wo andere Urlaub machen. Seit 18 Jahren leert er die drei Briefkästen auf der Zugspitze und öffnet Deutschlands höchstgelegene Postfiliale. Mehr als 3500 Mal ist er schon auf den Gipfel gefahren. „Wir gewährleisten, dass auch Sendungen von und zur Zugspitze am nächsten Tag ihre Empfänger erreichen“, sagt er dienstbeflissen – und hechtet in die nächste Gondel.

    In zehn Minuten auf rund 3000 Höhenmetern

    Ein Bergsturz formte den Eibsee mit seinen acht Inseln In rasanten zehn Minuten bringt die Eibsee-Seilbahn die Besucher von 1000 auf 2950 Meter und überwindet dabei von allen Pendelbahnen der Welt den größten Höhen-Unterschied. Surrt mit 36 Kilometern pro Stunde über das Nichts und in die Felswand hinein. Die Passagiere schlucken im Minutentakt für den Druckausgleich – und gegen die Aufregung.

    Andreas Oberauer schluckt auch, denn er hat nun seine Brotzeit ausgepackt und verspeist in aller Ruhe eine Wurstsemmel. Der kristallklare Eibsee schnurrt auf die Größe einer tiefblauen Achatscheibe zusammen. Vor rund 3500 Jahren rauschte ein gewaltiger Bergsturz durch den Gletschersee und setzte so viel Energie frei wie 220 Hiroshima-Bomben. Er hinterließ acht Inselchen. Der Blick aus der Gondel: Fortissimo!

    Deutschlands höchstgelegene Postfiliale ist geöffnet

    Der Zugspitz-Postbote flitzt im Zickzack um die Besucher, nimmt nicht den Aufzug, sondern die Treppe. Spätestens hier ahnt man, dass die verpasste Gondel für den durchtrainierten Mann, der immer im Laufschritt und selbst bei Minusgraden im T-Shirt unterwegs ist, einer persönlichen Niederlage gleichgekommen sein muss. Sobald die Post für Wetter- und Forschungsstationen, die Gastronomie und das Münchner Haus (im Winter geschlossen) zugestellt ist, sperrt Oberauer die kleine Amtsstube am Zugspitzplatt unterhalb des Gipfels auf. Besucher bringen ihre Postkarten vorbei. „Servus“, sagt er freundlich und ist ganz Gelassenheit.

    Bis zu 3000 Postkarten pro Tag

    Oberauer hat hier oben schon alles erlebt, was so ein Berg zu bieten hat: Lawinenabgänge, Stürme, Tiefschnee bis zur Brust, ein Blitzeinschlag vier Meter neben ihm – und knapp 3000 Postkarten an einem Tag. „Bei so schönem Wetter kommt das vor“, sagt er furchtlos und haut den begehrten Zugspitz-Poststempel mit Gipfelkreuz und der Zugspitz-Postleitzahl 82475 auf die Briefmarken, dass es nur so knallt. „Das muss locker aus dem Handgelenk gehen“, erklärt er und lässt den Hammerstempel im Akkord niedersausen.

    Zeit für eine ruhigere Gangart

    Man könnte mit der Gletscherseilbahn noch einmal zum Gipfel fahren und den Blick über schier endlose Bergketten hüpfen lassen, bis zum Großglockner (Österreich), zur Mamolata (Italien), zum Piz Bernina (Schweiz) gar. Man kann sich auch – eine Etage tiefer auf dem Platt – vor dem Restaurant SonnAlpin im Liegestuhl sonnen, im Winter die Skier anschnallen, im Sommer einen Zipfelbob unter den Hintern klemmen, zur Kapelle aufsteigen, die von Papst Benedikt XVI geweiht wurde, als er noch Josef Ratzinger hieß – oder den Gletscherguide am Maibaum treffen.

    Der Schneeferner-Gletscher schwindet dramatisch

    René Passler führt seine Gruppe nur wenige Meter bergauf, und schon sind alle am Schnaufen. Aber nicht nur die Luft ist hier oben dünner geworden, der Schneeferner-Gletscher befindet sich seit Jahren drastisch auf dem Rückzug. Passler zeigt hinüber zum ehemaligen Hotel Schneefernerhaus, jetzt Umwelt-Forschungsstation. Bis dorthin reichten die Eismassen einst. „In zehn bis 15 Jahren werden sie verschwunden sein“, prophezeiht er. Nicht nur aufgrund der Klimaerwärmung, sondern weil die Winter immer trockener geworden sind. Demnächst muss wohl der Schlepplift abgebaut werden, der auf dem noch verbliebenen Eisfeld steht. Wer Deutschlands höchsten Gletscher erleben will, sollte daher nicht allzu lange zögern.

    In klaren Nächten bis nach München blicken

    Wenn René Passler nicht für Gletscherführungen eingeteilt ist, arbeitet er an der Seilbahn. „Weil die Gondeln wegen der Balance niemals leer fahren dürfen“, erklärt er, „muss jeden Tag einer mit der letzten Kabine hochfahren und oben übernachten.“ Passler liebt diese Nächte. „Am schönsten sind die Sonnenauf- und -untergänge, wenn das Wetter wechselt“, erzählt er. „Dazwischen herrschen absolute Dunkelheit und absolute Stille – außer wenn der Wind durch alle Ritzen pfeift.“ In klaren Nächten kann er bis nach München blicken, er sieht die Allianz-Arena rot oder blau leuchten und kann von oben „direkt ins Oktoberfest neischaun“.

    Vom Zugspitzbahnhof geht die Reise nun wieder talwärts

    Und zwar geradewegs durch den Bauch des Bergs. Man spürt, wie die Zahnräder sich mit aller Macht gegen das Gefälle von 25 Prozent stemmen. Um die 1000 Höhenmeter überwinden zu können, musste der Tunnel auf rund 4,5 Kilometern in einer weiten Schleife durch den Fels geführt werden. Immense Mengen an Erde und Stein wurden damals durch 197.000 Kilogramm Sprengstoff bewegt. Ursprünglich endete die Zugspitzbahn beim Schneefernerhaus.

    Abwärts durch den Rosi-Tunnel

    Mitte der 1980er-Jahre wurde der Abzweig zum Zugspitzplatt gebaut, der sogenannte Rosi-Tunnel, benannt nach der deutschen Skiläuferin und Tunnelpatin Rosi Mittermaier. Wer meint, in einem Tunnel gebe es nichts zu sehen, irrt. Leuchtwerbung bebildert die Wände, und Schilder informieren: „2100 m über Bremen“. Am Riffelriss spuckt der Berg die Bahn aus. Zwischen Tannen geht es weiter steil abwärts, vorbei an riesigen Waldameisenhügeln. Kameras klicken, als der Eibsee ins Blickfeld rückt. Hinter Grainau gibt die Zugspitzbahn Gas, pfeift wie befreit – nun wieder ein (fast) ganz gewöhnlicher Zug.

     

    Tipp aus der Printausgabe: Januar 2014 | Dorothee Fauth
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