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Burg Eltz in der Eifel: Eine Burg putzt sich heraus
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Burg Eltz gehört zu den bekanntesten Burgen Deutschlands.
  • Burg Eltz in der Eifel: Eine Burg putzt sich heraus

    Diese Burg ist nicht ganz dicht. Das soll nicht heißen, dass sie einen Dachschaden hat (was vorkommen kann). Es bedeutet, dass Staub beständig einen Weg durch ihre Mauerritzen und Fugen findet, um sich auf dem altehrwürdigen Inventar niederzulassen. Allerfeinster Kulturstaub also. Hilft aber nichts, er muss trotzdem weg. Und so kommt es, dass Burg Eltz bei Wierschem in der Eifel nach fünf Monaten Winterschlaf von November bis März nicht von einem edlen Prinzen oder schmetternden Fanfaren geweckt wird, sondern mit Lappen, Staubfeudeln und Besen.

    Jedes Jahr ab Mitte März das gleiche Ritual: Frühjahrsputz auf Burg Eltz, damit sie die Besucher sauber empfangen kann. Das gut 850 Jahre alte Gemäuer steht stolz und abgeklärt über diesen trivialen Dingen. Wie aus einem Märchen entsprungen, thront es auf einem bewaldeten Felskegel, den der Eltzbach in einer schwungvollen Schleife umfließt. Die hoch aufragenden, sandfarbenen Mauern sind von einem wilden Durcheinander an Türmchen, Schornsteinen und spitzen Schiefer-Dächern bekrönt, auf denen wiederum eine ganze Horde bunter Fähnchen flattert. Denn einst teilten sich drei Familien-Zweige aus dem Geschlecht der Eltz die Burg: die Kempenichs, die Rodendorfs und die Rübenachs.

    Burg Eltz zierte einst den 500-Mark-Schein

    Sehr viel später konnte theoretisch jedermann die noble Herberge besitzen – rein symbolisch gesehen: Als Inbegriff einer deutschen Ritterburg zierte sie den 500-Mark-Schein. Der kürzeste Weg vom Parkplatz zur Burg führt über ein steiles Sträßchen, auf dem während der Saison ein Pendelbus fährt. Der bringt den Besucher jedoch um ein besonderes Erlebnis. „Wenn Sie aufsteigen, sind Sie bei der falschen Burg“, antwortet das Burgbüro auf die Frage nach dem Weg. Man muss nämlich nach unten gehen, um Burg Eltz zu erreichen. Und tatsächlich: Von einem Felsplateau aus blickt der Fußgänger in ein Tal auf die von waldigen Hängen eingekesselte Burg: ein Anblick aus der Vogel-Perspektive und das Gefühl, in einer verkehrten Welt gelandet zu sein. Großartig und ein wenig verletzlich sieht sie von hier oben aus, dabei ist sie nie durch Gewalt zerstört worden, und ihre Lage an dem einst wichtigen Handelsweg durch das Elztal war strategisch hervorragend gewählt.

    Schönheits-Behandlung für den eisernen Kerl

    An diesem kalten Morgen im März trippeln etwa ein Dutzend Frauen mit vorsichtigen Schritten auf dem teilweise noch vereisten Weg zur Burg hinab, passieren das äußere, dann das innere Burgtor und sammeln sich im Verwaltungs-Trakt. Nach einer kurzen Lage-Besprechung bewaffnet sich die Truppe mit heißem Wasser, Staubwedeln, Pinseln, Lappen und Staubsaugern und schwärmt aus. In dem eingespielten Team weiß jede, was zu tun ist. „Wir freuen uns den ganzen Winter darauf, dass es wieder losgeht“, sagt eine der Frauen. Die rücken nämlich nicht nur zum Frühjahrs-Putz an, sondern arbeiten während der Saison auch im Souvenir-Shop, Ticket-Verkauf und in den beiden Burgschänken. Sie putzen also nicht irgendeine Burg, sie putzen ihre Burg und kennen daher jeden Winkel, in dem sich eine Staubmaus verstecken kann.

    Es ist eiskalt in dem alten Gemäuer. Länger als vier Stunden dürfen die Frauen daher nicht arbeiten. „Nach vier Stunden wirst du einfach nicht mehr warm“, weiß Rosemarie Sesterhenn, die hier allerdings schon ganz andere Tage erlebt hat. Tage, an denen das Putzwasser in den Eimern gefror. Heute ist der Rittersaal an der Reihe, in dem drei stumme Rüstungen Wache halten. Die mittlere bekommt soeben eine erstklassige Schönheits-Behandlung: Mit einem weichen Tuch wird ihr stattlicher Bauch massiert, bis er wieder glänzt. Dann greift seine Schönheits-Pflegerin zu einem Pinsel, streichelt damit sanft über das Gesicht und putzt auch sorgfältig hinter den Ohren. Fast meint man, den eisernen Kerl wohlig grunzen zu hören.

    Ein Burgenputz ist eine Wissenschaft für sich

    Wasser ist tabu - außer bei den Fenstern und im Treppenhaus. Das Mobiliar aus Zeiten, als sich die Herrschaften mehr parfümierten als wuschen, würde sonst Schaden nehmen. „Manche Dinge sind so alt, da gehen wir gar nicht gerne dran“, sagt Cilli Münch, die mit dem Staubsauger vorsichtig zwischen Miniatur-Kanonen herumstochert. Die stehen am Boden aufgereiht wie eine Muster-Kollektion. Man darf sie nur mit Handschuhen anfassen, weil Hautschweiß sie rosten lässt. „Das waren tatsächlich Muster“, erklärt Münch, „und wenn sie Gefallen fanden, konnten sie beim Kanonengießer in groß bestellt werden.“

    Auch das Schloss-Gespenst wird abgestaubt

    Die Ausstattung des Saals mit Rüstungen und Kriegsgerät ist allerdings eine Idee der Romantik. In dem ehemaligen Versammlungs-Raum kamen früher die drei Familien zu Besprechungen zusammen. „Die Narren-Masken“, erzählt Cilli Münch und deutet in eine Ecke, „weisen darauf hin, dass hier drinnen Redefreiheit herrschte, und die Schweigerose über der Tür erinnert daran, dass nichts davon nach draußen dringen durfte.“ Es gibt nichts in der Burg, was nicht mit Hingabe und Fingerspitzen-Gefühl gefeudelt und gepinselt wird: Kaminsimse und Hirsch-Geweihe, Ölgemälde und Gobelins, Tischbeine, Truhen, Leuchter, Bettgestelle, Kacheln, Lanzen.

    Dafür kriechen die Frauen unter Tische, turnen auf Leitern und im Gebälk herum. Sogar Agnes, das Schloss-Gespenst, wird entstaubt. Ihr zierlicher Brustpanzer samt Streitaxt hängt im Comtessen-Kinderzimmer über dem Klo. Agnes zu Eltz wurde von ihrem Bräutigam erschossen, erzählt die Legende, nachdem sie sich geweigert hatte, den betrunkenen Mann zu küssen. Kirsten Mühlenbruch hat am Vortag die Deckenbalken von Spinnweben befreit. „Davon habe ich heute Muskelkater“, stöhnt sie. Seit 1999 ist Kirsten Mühlenbruch bereits bei der Putztruppe. „Da gehört man schon zum Inventar und altert mit der Burg“, sagt sie.

    Den kältesten Job haben die beiden Fensterputzerinnen

    Butzenscheibe um Butzenscheibe waschen sie ab, ganz vorsichtig, damit keine aus dem Rahmen fällt. „Ach“, wiegeln sie ab, „das war schon schlimmer.“ Das Putzwasser dampft schließlich noch, außerdem scheint die Frühjahrs-Sonne herein, und sie haben einen herrlichen Blick in die hügelige Landschaft, in der sogenannte Traumpfade zum Wandern einladen. Der Wanderweg Eltzer Burgpanorama etwa führt durch Wald, Auen-Landschaft und das gewundene Tal der Eltz, vorbei an herrlichen Ausblicken, schroffen Felsen und Krüppel-Eichen zur Ringelsteiner Mühle, wo man bei einem guten Tropfen Moselwein rasten kann. An den Wochenenden fährt der Burgen-Bus, der weitere Traumpfade und Höhepunkte wie die benachbarte Burg Pyrmont miteinander verbindet.

    Die Frauen feudeln sich unterdessen weiter durch das Rübenacher Schlafgemach mit seinen kostbaren Malereien an den Wänden und Balken, durch Rüst- und Schatzkammer, Schreibzimmer, Fahnen-Saal und Kapelle. Blasse, edle Damen und bärtige Herren mit strengem Blick schauen ihnen dabei (aus Bilderrahmen) zu. Im Jagdzimmer rückt und zupft Elisabeth Hollbach mit einer Kollegin Bruno zurecht: „Kopf hoch und ziehen!“, kommandiert sie. Bruno heißt nicht wirklich Bruno, aber tot ist der Bär trotzdem. Und das schon ziemlich lange. Man kann sein Fell nicht einmal richtig absaugen, weil er sonst alle Haare verliert. Dafür wird er nach dem Bodenwischen wieder zentimetergenau drapiert.

    Die Burgküche ist ein putztechnischer Albtraum

    Zwischendurch gibt es eine Pause mit heißem Kaffee. Jemand hat Kuchen gebacken. Wenn Stefan Ritzenhofen und Angelika Nelius Zeit haben, gesellen sie sich dazu. Der beiden Kastellane leben mit ihren zwei Hunden das ganze Jahr über auf Burg Eltz, Stefan Ritzhofen mit Unterbrechungen seit seinem dritten Lebensjahr. Seine Eltern waren hier schon Burg-Verwalter. Die Stimmung ist gut, obwohl nun der schlimmste aller Räume an der Reihe ist: die Burgküche mit ihrer Vielzahl an Töpfen, Pfannen, Kesseln, Krügen und Löffeln. Dazu die Plastik-Räucherware unter der Decke: Schinken und Würste. Aus putztechnischer Sicht ein Albtraum. „Es ist so schön, hier zu arbeiten. Ich frage mich, warum ich eigentlich nicht schon immer hier bin“, schwärmt Anita Dünschen in ihrer achten Saison. Der heutige Burgbesitzer Karl Graf von Eltz (aus der Kempenich-Linie) muss sich vielleicht um Dachschäden kümmern, den Staub aber weiß er in guten Händen. Nach dem Frühjahrs-Putz wird davon nichts mehr zu sehen sein. Die Besucher können kommen.

     

    Tipp aus der Printausgabe: Februar / März 2016 | Dorothee Fauth
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