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Felsen und Schluchten: Mit dem Zug durch die Sächsische Schweiz
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Der Zug passiert auf seiner Fahrt durch die Sächsische Schweiz auch den Kurort Rathen.
  • Felsen und Schluchten: Mit dem Zug durch die Sächsische Schweiz

    Dresdens Silhouette macht einen glänzenden Eindruck. Hofkirche, Zwinger und Kunstakademie funkeln im Mittagslicht blass-bläulich. Gegen Abend werden sie in warme Rottöne getaucht. Ihre Fassaden sind aus jenem Material gebaut, das so schön schimmert in der Sonne – Sandstein. Ein Gebäude überstrahlt alles: die Frauenkirche. Das Meisterwerk barocker Sakralbaukunst ist einer der größten Sandsteinbauten der Welt. Erbauer George Bähr ließ selbst die kolossale Kuppel aus dem festen und formbaren Stein fertigen – und setzte der Stadt damit eine schillernde Krone auf. Nach den Bombenangriffen im Februar 1945 zerfiel die Frauenkirche in ein Trümmermeer. Bei ihrem Wiederaufbau (2005 abgeschlossen) konnten 4400 geborgene Quader an ursprünglicher Stelle eingesetzt werden.

    Die Originalsteine sind leicht zu entdecken

    Wind und Wetter haben sie dunkel gefärbt, während die restliche Fassade beigefarben leuchtet. Nicht nur der Ort ihrer Bestimmung eint neue und alte Steine – auch ihre Herkunft. Sie entstammen jenem faszinierenden Felsenreich, das die Elbe unweit der Tore der Stadt durchbricht – dem Elbsandsteingebirge.

    Die Reise zu den Spuren des Sandsteins startet wenige Gehminuten von Dresdens Barockbauten entfernt

    Vom Hauptbahnhof führen S-Bahnen ins Elbtal, mehrmals täglich macht ein Fernzug Richtung Prag Station. Zweieinhalb Stunden dauert die Fahrt in die tschechische Metropole, Reiselektüre braucht man dabei nicht: Fesselnder und romantischer als die vorbeiziehende Landschaft kann Literatur gar nicht sein. Nur an eines sollte man vorab denken: einen Zugplatz auf der Wasserseite (in Fahrtrichtung links) zu reservieren.

    Hinter Pirna beginnt der schönste Teil der Reise

    Gleich hinter Pirna, dem Tor zur Sächsischen Schweiz, wie der deutsche Teil des Gebirges auch heißt, beginnt der schönste Abschnitt der Fahrt. Die Schienen schlängeln dicht am Lauf der Elbe entlang, während am anderen Ufer ein wuchtiger Steinwall aufragt.  Dahinter erstreckt sich ein weites Felslabyrinth voll steiler Säulen, tiefer Schluchten und majestätischer Tafelberge. Sein Ursprung liegt auf dem Meeresgrund. In Abermillionen Jahren lagerte sich Sand ab, der Druck des Wassers presste ihn zu Stein. Als sich das Meer zurückzog, barst die Sandsteinplatte und hinterließ eine Gebirgslandschaft.

    Sandstein-Abbau seit dem 14. Jahrhundert

    Dass auch der Mensch Hand an die Gestalt des Gebirges legte, offenbart der Blick aus dem Zugfenster: So manche Felsoberfläche wirkt, wie mit der Maurerkelle glattgezogen. Seit dem 14. Jahrhundert wurde entlang der Elbe im großen Stil Stein abgebaut. Während des barocken Baubooms verteilten sich Hunderte Steinbrüche fast über das gesamte Bergland. Nicht nur bis Dresden verschiffte man die schweren Blöcke, auch das Brandenburger Tor und das Kopenhagener Königsschloss wurden aus Steinen von der Elbe gebaut.

    Die Geschichte der sächsischen Steinbrecher

    Andreas Bartsch malt sich das einst unberührte Elbtal manchmal aus. „Enger war es, die Felsen viel schroffer“, erzählt er. Der 52-Jährige Nationalparkführer entführt Wandergruppen regelmäßig in die Geschichte der sächsischen Steinbrecher. Unzählige Stunden hat der gelernte Lokschlosser im Wald bei Wehlen geschuftet, um seinen Lehrpfad anzulegen. Er wälzte Archive, zog rostige Werkzeuge aus der Erde, stellte Schautafeln auf. Für seine Reisen in staubige Zeiten schlüpft er in die Kluft eines Steinmetzes: Filzhut, Lederhose mit verstärkten Kniepartien, den Zipfel der Schürze hochgebunden. „So störte sie nicht beim Aufstieg“, sagt er. Nahe der „Alten Steinsäge“, mit der bis 1940 Rohblöcke in Form gebracht wurden, hat Bartsch eine Bruchbude nachgebaut. Damals war das Wort nicht abfällig gemeint. „In diesen Schutzhütten konnten die Steinbrecher frühstücken oder sich bei Regen unterstellen“, erklärt er.

    Das Steinbrecher-Handwerk war ein Knochenjob

    „Kaum ein Arbeiter wurde älter als 40 Jahre.“ In Schwerstarbeit höhlten sie eine Steinwand aus, bis sie unter ihrem eigenen Gewicht zusammenbrach. In den sechs heute noch intakten Brüchen der Region schneiden computergestützte Hochdruckstrahler die Blöcke passgenau aus dem Fels.

    Die Hänge des Elbtals stehen schon lange unter Schutz

    Durch Landkäufe konnte ein 1910 gegründeter Heimatverein dem Steinbruchbetrieb Einhalt gebieten. Dank der frühen Naturschützer blieb der berühmte Basteifelsen unbehauen und behielt seine hingekleckerte Gestalt. Wo sie damals Sämlinge auf Abraumhalden setzten, kaschieren mittlerweile üppige Wälder die Wunden der Vergangenheit. Im heutigen Nationalpark brüten Wanderfalken in den Felsen, das kühle, feuchte Kellerklima dunkler Schluchten lässt Moose und Farne wuchern – und botanische Raritäten wie das Gelbe Veilchen und der Sumpfporst sprießen. Ein Netz aus 1200 Kilometern Wanderpfaden bietet Zugänge in diese reiche Schatzkammer der Natur.

    Hinter dem Kurort Rathen spannen Fluss und Schiene einen weiten Bogen

    Die mächtigen Ringmauern der Festung Königstein rücken ins Blickfeld, 240 Meter thront sie auf ihrem Felsplateau über der Elbe. Kurz darauf kündigt eine Durchsage die Einfahrt in Bad Schandau an. Eine gute Gelegenheit zum Aussteigen. Der idyllische Kurort hat neben wohltuender Therme und hübschem Stadtkern auch Deutschlands kleinsten Straßenbahnbetrieb zu bieten. Im Zickzackkurs zuckelt die gelbe Kirnitzschtalbahn hinauf zum Lichtenhainer Wasserfall.

    Straßenbahnfahrer in Schandau laufen täglich mehrere Kilometer

    Matthias Rzehak hat längst aufgehört zu zählen, wie oft er die acht Kilometer lange Strecke schon rauf- und runtergerumpelt ist. Seit 26 Jahren arbeitet er hier als Straßenbahnfahrer. Der Job bleibe aufregend, sagt er, nicht nur, weil das Bremsverhalten der antiken Bahn „mit dem eines Vierzigtonners auf Glatteis“ vergleichbar sei. Steigt jemand zu, muss der 60-Jährige vom Triebwagen zum Kassieren in den jeweiligen hinteren Wagen eilen. „Unsere Straßenbahnfahrer laufen zwischen fünf und acht Kilometer am Tag“, sagt Rzehak und lacht.

    Die Kirnitzschtalbahn bringt Kinder zur Schule und Besucher zu den Wanderwegen

    Außer zur Frühfahrt, wenn die Kirnitzschtalbahn die Kinder der Gegend zur Schule kutschiert, steigen fast ausschließlich Touristen ein. Gern erinnert sich Rzehak an die vielen Bahnfreunde aus aller Welt, insbesondere an die Italienerin, die kaum wusste, wohin mit ihren Blicken. „Sie lief nur von einer Fensterseite zur anderen und rief: Mamma mia!“

    Auf der Straßenbahnfahrt durch den Canyon kriechen urwüchsige Wälder bis an die Gleise, raue Steintürme bilden eine schmale Pforte, Fichten klammern sich an Felsvorsprünge. Von den Haltepunkten starten Wanderwege, etwa zu den Affensteinen, einer zerklüfteten Felsengruppe, oder zum Wildbach an den Hinterhermsdorfer Schleusen, wo man Boot fahren kann.

    Der Zug rollt jetzt weiter nach Tschechien

    Zurück auf breiter Spur wird kurz hinter Bad Schandau die Elbe zur Labe, die Sächsische zur Böhmischen Schweiz. Der Zug rollt nach Tschechien. In Decín grüßen Schloss, kunterbunte Häuserfassaden und die Schlote der Fabriken. Die wirtschaftliche Entwicklung kam am 6. April 1851 in Fahrt, als die „Sächsisch-Böhmische Eisenbahn“ ihre Jungfernreise von Dresden nach Prag unternahm.

    Mit dem Güterverkehr wuchs auch der Touristenstrom

    Naturfreunde konnten den steinernen Schönheiten der Böhmischen Schweiz fortan ohne beschwerliche Dauermärsche nahe kommen. Noch heute steigen viele Ausflügler in Decín aus. Eine beliebte Route führt zum Prebischtor, der größten natürlichen Sandsteinbrücke Europas. Ab Decín lässt der Zug die Berge hinter sich. Statt der Elbe geleitet die Moldau hinein nach Prag. Die Spuren des Sandsteins reichen bis in die Goldene Stadt. Der Name geht auf die vielen Türme zurück, bei deren Bau man ebenfalls auf den schimmernden Stein von der Elbe zurückgriff. Die Bahnreise zeigt seine Formen und Farben in voller Pracht. Egal, ob ein Sachse, Böhme oder die Natur dabei Baumeister war. 

     

    Tipp aus der Printausgabe: Februar /März 2014 | David Krenz

  • Unsere Restauranttipps in der Region

    Alter Elbehof

    Der Biergarten des Alten Elbehaus im Torgauer Stadtteil Werdau bietet wohl einen der schönsten Ausblicke in der Region: weit über die Elbtal-Aue bis hin zum prächtigen Renaissance-Schloss Hartenfels auf der anderen Flussseite. Doch der große Biergarten des traditionsreichen Gastronomiebetriebs hat noch mehr zu bieten als nur den fantastischen Ausblick.

    Seit 2010 verfügt das Elbehaus über eine eigene Brauerei. Im Schatten unter hundertjährigen Linden und Kastanien können die Gäste entspannt die hauseigenen Biersorten durchprobieren. Gut gekühlt bei warmem Wetter ein Muss! Dazu passen die Spezialitäten des Hauses besonders gut: Räucherfisch und frisches Brot aus dem eigenen Back- und Räucherofen.

    Wer kein Fan von Fisch ist, für den sind die Grill-Büffets des Elbehaus das Richtige. Elbehof-Chefin Simone Hepe und ihr Team tischen während der Sommermonate im festlich geschmückten Biergarten reichlich gebrutzelte Köstlichkeiten auf.

     

    Adresse: Werdau Nr. 12, 04860 Torgau
    Telefon: 0 34 21/90 45 25

    Öffnungszeiten: täglich 11:00 - 22:00 Uhr,
    von Januar bis April ist am Montag Ruhetag

    www.elbehof-torgau.de
    Am Goldenen Wagen

    Romantischer Weinkeller, große Auswahl an lokalen Weinen.

    Adresse: Hoflößnitzstr. 62, 01445 Radebeul 
    Telefon: 03 51/ 8 36 25 53
    Öffnungszeiten: Montag - Samstag 14:00 - 20:00 Uhr,
    Sonntag 11:00 - 19:00 Uhr,
    Mittwoch geschlossen

    www.goldenerwagen.de
    Café am Dom

    Sächsische Kuchenspezialitäten mit tollem Blick über das Elb- tal.

    Adresse: Domplatz 5, 01662 Meißen
    Telefon: 0 35 21/ 40 44 86
    Öffnungszeiten: Montag - Freitag 11:00 - 18:00 Uhr,
    Samstag 10:30 - 19:00 Uhr,
    Sonntag 10:30 - 18:00 Uhr

    www.cafe-am-dom-meissen.com
    Café im Schloss

    Hausgebackener Kuchen am Fuße des Wendelsteins.

    Adresse: Im Schloss, 04860 Torgau
    Telefon: 0 34 21/7 01 80 88
    Öffnungszeiten: täglich ab 10:00 Uhr

    herrkaethe-torgau.de
    Die Schmiede

    Feine Speisen und mehr als 200 Sorten Whisky, dazu Livemusik.

    Adresse: Altkötzschenbroda 21, 01445 Radebeul
    Telefon: 03 51/8 38 67 07
    Öffnungszeiten: täglich 17:30 - 22:00 Uhr

    www.schmiede-radebeul.de
    Domkeller Meißen

    Das älteste Gasthaus der Stadt (1470) bietet regionale Leckereien.

    Adresse: Domplatz 9, 01662 Meißen
    Telefon: 0 35 21/ 45 76 76
    Öffnungszeiten: Montag - Samstag 11:00 - 23:00 Uhr,
    Sonntag 11:00 - 22:00 Uhr

    www.domkeller-meissen.com
    Gasthaus Schloss Wackerbarth

    Barocke Schloss- und Gartenanlage, Staatsweingut, gehobene Küche.

    Adresse: Wackerbarthstr. 1, 01445 Radebeul
    Telefon: 03 51/8 95 50
    Öffnungszeiten:
    Januar: geschlossen

    Februar und März:
    Montag - Mittwoch geschlossen,
    Donnerstag - Samstag 12:00 - 20:00 Uhr,
    Sonntag 10:00 - 18:00 Uhr

    April - Dezember:
    Montag geschlossen,
    Dienstag - Samstag 12:00 - 22:00 Uhr,
    Sonntag 10:00 - 18:00 Uhr

    www.schloss-wackerbarth.de/
    Herr Käthe

    Im gemütlichem Restaurant Herr Käthe in Torgau mit seinen alten Balken und Eichenfußboden servieren Chefin Beatrix Dörge und ihr Team den Gästen lustig benannte rustikale Gerichte: Spießiges Hähnchen, Scharfes Früchtchen, Glücklicher Bulle und Verspackte Nixe stehen nebst zahlreicher weiterer Gerichte auf der Speisekarte. Auch vegane Speisen werden hier serviert.

    Bei schönem Wetter ist der Biergarten im gepflasterten Innenhof des Lokals geöffnet. Dort sitzen die Besucher unter Kletterranken an kleinen Holztischen und -stühlen. Ein prima Ort, um nach einer anstrengenden Stadtbesichtigung ein wenig zu entspannen, denn Herr Käthe liegt mitten in Torgaus Altstadt und nur drei Minuten Fußweg vom berühmten Renaissance-Schloss Hartenfels entfernt.

    Adresse: Katharinenst. 4, 04860 Torgau
    Telefon: 0 34 21/ 77 86 65
    Öffnungszeiten: Täglich ab 11:30 Uhr

    herrkaethe-torgau.de
    Ullrich’s Kellerwirtschaft

    Sächsische Gerichte in historischem Gewölbekeller.

    Adresse: Marktgasse 1, 01662 Meißen
    Telefon: 0 35 21/ 40 45 26
    Öffnungszeiten: täglich ab 11:00 Uhr

    www.ullrichs-kellerwirtschaft.de
  • Unsere Ausflugstipps in der Region


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