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Frisch auf den Tisch: Fischerei, Wein- und Obstanbau in Hagnau
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Im kleinen Ort Hagnau dreht sich alles um Fischerei, Obst- und Weinbau.
  • Frisch auf den Tisch: Fischerei, Wein- und Obstanbau in Hagnau

    Eigentlich könnte man den ganzen Tag hier oben auf der Wilhelmshöhe in Wasserburg im Gras sitzen und Richtung See und Berge blicken. Einfach nur schauen und träumen, den süßen Blütenduft atmen, während die Sonne das Gesicht kitzelt. Inmitten von tiefgrünen Reben die weiß und rosa blühenden Apfelbäume genießen. Auf dem Bodensee, so scheint es, glitzern Millionen Sterne, und die Gipfel der Schweizer Alpen am gegenüberliegenden Ufer sind wie mit Puderzucker bestäubt.

    Unten an den See schmiegt sich nur ein paar Fußminuten entfernt das malerische Fischer- und Winzerdorf Hagnau

    „Ist das nicht ein Augenschmaus?“, fragt Jörg Saupp, der aus einer der 60 Hagnauer Winzerfamilien stammt und mit seinem Traktor gerade den Obst- und Weinwanderweg entlangfährt, um auf den Hängen nach dem Rechten zu sehen. Der Winzermeister kennt diesen Ausblick schon, seit er als kleiner Junge mit dem Vater die Reben band. Hagnau und der Wein gehören seit Jahrhunderten zusammen.

    Rebell im Priesterrock

    Über den Wein gelangt man auch zu dem Herrn, der einem in Hagnau an jeder Ecke begegnet: Heinrich Hansjakob, der „Rebell im Priesterrock“. Er grüßt als Statue oder von Steintafeln und Weinfässern. Hansjakob sah die Armut der Weinbauern Ende des 19. Jahrhunderts und erkannte, dass der Einzelne zu schwach war, um die Früchte seiner Arbeit genießen zu können. Daher gründete er 1881 in Hagnau den ersten badischen Winzerverein, der noch heute seinen Wein im historischen Keller der Hofmeisterei in riesigen Holzfässern lagert. Im Herbst zur Weinlese tuckern die Traktoren mit ihren Erntewagen in Richtung Winzerverein, wo die Weinbauern Trauben von Stielen trennen und die Maische abpressen.

    Auch der Obstanbau hat hier lange Tradition

    Noch lieber als den Müller-Thurgau, den Blauen Spätburgunder oder den Grauburgunder hat Jörg Saupp aber sein Obst, verrät er. Das kann er von Anfang bis Ende begleiten, vom Pflanzen übers Ernten und Vergären bis zum Brennen. Mit ihm kann er experimentieren und immer neue Produkte entwickeln. Aktuell versucht er sich an Aprikosen. „Die Früchte lasse ich richtig lange am Baum. Gibt ein Superaroma“, schwärmt er.

    Sein Haus mit Hofladen liegt direkt an der Seestraße, der Hauptroute zum Spazieren. Vor der Tür stehen Kisten mit saftigem Frischobst, drinnen gibt es Grappa, Liköre und Eingemachtes. Fragt man Saupp, welche Jahreszeit er am liebsten hat, muss er erst ein Weilchen überlegen. Und kann sich doch nicht entscheiden. Der Frühling ist wunderbar bunt, im Sommer herrscht Trubel, im Herbst wirft er seinen Brennkessel an und schlürft gern ein Schlückchen beim Blick auf die goldbraun gefärbten Weingärten. Und mit dem Winter kommt die Ruhe, in der er mit Freunden an einem der Hagnauer Stammtische sitzt und das Jahr verabschiedet.

    Das Klima am Bodensee verwöhnt den Wein und das Obst geradezu

    Der See gleicht einem riesigen Wärmespeicher, aus dem die Pflanzen ihre Energie tanken. Hinzu kommen die besondere Höhenlage, die Föhnwinde aus den Alpen, die fruchtbaren Böden und das Wechselspiel zwischen Frühnebel, warmer Septembersonne und kühlen Nächten.

    Himmlische Bedingungen für guten Geschmack

    Dieser ist zweifellos auch in Hagnau zu Hause. Weingärten mit prallen Trauben selbst vor dem Rathaus und der Kirche, einladende Gasthäuser, liebevoll restauriertes Fachwerk, eine Uferpromenade mit kleinen Platanen, Hofläden wie die von Jörg Saupp – ganz schön viel für ein Dorf mit 1500 Einwohnern. Durch die idyllische Lage und die emsigen Menschen wurde aus dem einst armseligen Ort ein quirliges Fleckchen Erde.

    Hier lebt und arbeitet auch Fischerin Heike Winder

    Sie stammt aus einem der sechs Familienunternehmen, die in Hagnau noch traditionell Fischerei betreiben. „Die Leute denken, meine Arbeit sei romantisch“, sagt die Fischerin. Und manchmal ist sie das auch. Wenn Winder noch vor Sonnenaufgang hinaus auf den dunklen See fährt und über sich nur die Sterne sieht, wenn Stille herrscht und das aufziehende Morgenrot den Frühnebel auf dem Wasser sichtbar macht. „Das ist für mich das Schönste“, sagt sie. Oft aber ist es Knochenarbeit. Dann pfeift der Wind bei eisiger Kälte, und die Finger sind klamm, wenn sie die Fische aus dem Netz puhlen. Zurück an Land reibt Winder den Fisch mit Meersalz ein, lässt ihn zwei, drei Stunden ziehen und hängt ihn in den Räucherofen, in dem ein Feuer aus Buchenholz knistert. „Der Fisch soll noch nach Fisch schmecken“, erklärt sie und schreibt auf eine Kreidetafel: „Ofenfrischer Räucherfisch ab 16 Uhr“. Manchmal stehen die Leute schon vorher an ihrer Tür und warten.

    Wenn der Fang schlecht war, gibt es nichts

    „Wir verkaufen nur, was wir selbst aus dem See gezogen haben“, sagt die Fischerin. Und das liefert sie auch an die Hagnauer Gastronomie. Bodenseefelchen, Barsch, Zander – frischer geht es nicht. Den grätenarmen Felchen kann man rund um den See genießen. Mit ihm verdienen die Bodenseefischer ihr Geld. Die Fischer in Hagnau sind heute häufig auch Obstbauern und Winzer. Eine Sache allein reicht kaum noch zum Leben.

    Fast jede Familie vermietet zudem Ferienwohnungen

    „Es kommen Gäste“, erzählt Winder, „nur um auf dem Balkon zu sitzen und auf den See zu schauen.“ Auch Jörg Saupp genießt nach so vielen Jahren noch den Ausblick. Besonders von der Wilhelmshöhe am Obst- und Weinwanderweg aus. „Und wenn Konstanz im August drüben Seenachtfest feiert, wird’s hier oben romantisch“, verrät er. Dann sitzen Urlauber wie Hagnauer bei einem guten Tropfen zusammen und sehen sich das Feuerwerk über dem Bodensee an.

    Tipp aus der Printausgabe: Februar/März 2014 | Janet Schönfeld

  • Unsere Restauranttipps in der Region

    Hotel Café Schreier

    Selbst gemachter Kuchen, Eis und Kaffee mit tollem Seepanorama.

    Adresse: Färbergasse 2, 88131 Lindau
    Telefon: 0 83 82/ 94 44 84
    Öffnungszeiten: im Sommer täglich ab 9:00 Uhr

    www.schreier-insel.de/
    Hotel Restaurant Alte Post

    Variationen vom Bodensee-Felchen.

    Adresse: Fischergasse 3, 88131 Lindau
    Telefon: 0 83 82/ 9 34 60
    Öffnungszeiten: täglich 11:00 - 14:30 Uhr, 17:00 - 23:00 Uhr

    www.alte-post-lindau.de/
    Zum Raichlebeck

    Schwäbische Spezialitäten und Lindauer Doppelschübling (Wurst aus Rinds- und Schweinefleisch mit Sauerkraut, Linsen oder Kartoffelsalat).

    Adresse: Lingstr. 14, 88131 Lindau
    Telefon: 0 83 82/ 2 87 59;
    Öffnungszeiten: Mittwoch - Sonntag 12:00 - 14:30 Uhr und ab 18:00 Uhr,
    Montag - Dienstag geschlossen

    zum-raichlebeck.jimdo.com
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