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Fürstliche Blütenpracht: Schloss Schwetzingen
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Das Schloss in Schwetzingen ist für seine beeindruckenden barocken Gartenanlagen bekannt.
  • Fürstliche Blütenpracht: Schloss Schwetzingen

    Ein Windhauch lässt die Blüten über die saftig-grüne Wiese schweben. Treibt sie zwischen den knorrigen Stämmen der Kirschbäume entlang, bis sie wie rosafarbene Schneeflocken auf den Boden sinken. Tiefrote Knospen hängen an den Ästchen und strotzen vor Frühling. Wenn im März oder April die Kirschblüte durch den Schwetzinger Schlossgarten zieht, bevölkern Besucher aus ganz Europa das südlich von Mannheim gelegene Städtchen. Fotografen huschen mit klobigen Kameras durch die langen Reihen der Kirschbäume und versuchen, die Magie des flüchtigen Spektakels einzufangen. Pärchen dösen unter den Zierkirschen oder lassen sich durch das Blütenmeer treiben, das für wenige Tage den Garten flutet.

    Ein Mix aus Barock- und englischem Landschaft-Garten

    Während ringsum Blüten-Schauer in Rosa niedergehen, fühlt man sich wie in eine andere Welt versetzt. Der Schwetzinger Schlossgarten zählt zu den Glanzstücken europäischer Gartenbaukunst. Hinter den imposanten Flügel-Bauten des apricotfarbenen Schlosses erstreckt sich ein weitläufiger Park, der zwei gegensätzliche Stile der Garten-Gestaltung vereint: den französischen Barock-Garten, von strengen geometrischen Formen geprägt, und den englischen Landschafts-Garten, in dem sich Pfade über leichte Hügel an natürlich wirkenden Teichen vorbeischlängeln.

    In 30-jähriger Bauzeit ließ Kurfürst Carl Theodor (1724 - 1799), der ab Mitte des 18. Jahrhunderts die Pfalz regierte, das Gesamt-Kunstwerk von seinen Baumeistern und Garten-Architekten anlegen. Wenn er mit seiner Ehefrau Elisabeth Augusta den Mannheimer Regierungs-Sitz im Mai verließ, um sich bis in den Herbst in der Sommer-Residenz Schwetzingen zu erholen, diente ihm der Garten als Zufluchtsort. Hier ließ er sich auf einsamen Spaziergängen treiben und hing seinen Träumen nach, um dem Alltag als Landherr zu entfliehen.

    40.000 Pflänzchen warten auf den Sommer

    Wer durch das Schlosstor in den französischen Teil tritt, wird zunächst von einem riesigen Rondell empfangen. Auf dem Weg unter den Linden durch das sogenannte Kreis-Parterre knirscht Kies unter den Füßen. Kaiserkronen, Goldlack und Kugel-Priemeln blühen in üppigen Beeten, Springbrunnen plätschern fröhlich vor sich hin. Stiefmütterchen in bunten Kleidchen genießen die große Bühne französischer Barock-Gartenkunst.

    „In den Blumenrabatten steckt die meiste Arbeit.“

    Das erzählt Helmut Krupp, der Gartenmeister des Schlosses. Mit zwölf Mitarbeitern bringt er jedes Jahr den Sommerflor aus. Gut 40.000 Pflänzchen, die sie in den Gewächs-Häusern der Schloss-Gärtnerei vorziehen. Krupp und sein Team lassen die Gartenpracht von damals im Park historisch möglichst genau erblühen. Und sollen gleichzeitig das Panorama erhalten. „Dafür müssen wir immer wieder auf 60 Zentimeter zurückschneiden, damit der Blick wie einst schweifen kann.“

    Auf den Sicht-Achsen, die sich im Rondell eröffnen, kann sich der Blick buchstäblich gehen lassen: durch den gesamten Garten bis zur Kalmit, dem höchsten Berg des Pfälzerwalds. Und in der anderen Richtung bis zum Kaiserstuhl, der hinter dem Schloss in der Ferne schimmert. „Das ist kein Zufall“, erklärt Kunst-Historiker Wolfgang Schröck-Schmidt. „Das bedeutete damals auch: ,Seht her, mein Herrschafts-Gebiet!‘“

    Ein Hofstaat von 1500 Menschen reiste mit

    Nach Schwetzingen kam der Kurfürst meist mit einem Hofstaat von 1500 Menschen. In den Flügel-Bauten, die sich als Halbkreis ins Rondell einfügen, spielte sich der offizielle Teil ab. Carl Theodor und seine Frau Elisabeth Augusta gaben Empfänge oder luden zu kulturellen Veranstaltungen und Festen. Die Veranstaltungen waren nicht nur dem Adel vorbehalten: „Auch die Bürger profitierten davon“, erklärt Schröck-Schmidt. „Das Kultur-Leben und die Hof-Lustbarkeiten standen allen offen.“

    Man feierte gern und gönnte sich ein ausgedehntes Musik-Programm. In einem der lichtdurchfluteten Säle mit raumhohen Fenstern und stuckverzierten Decken – heute Mozartsaal genannt - saßen an einem Juli-Nachmittag sogar der siebenjährige Wolfgang Amadeus und seine Schwester Nannerl am Klavier. „Meine Kinder haben ganz Schwetzingen in Bewegung gesetzt“, beschrieb Vater Leopold Mozart den Auftritt stolz.

    Wenn Carl Theodor nicht gerade Mozart lauschte oder mit dem französischen Philosophen Voltaire diskutierend durch die Gänge der Flügel-Bauten flanierte,  amüsierte er sich im Rokoko-Theater - sozusagen das Heimkino seiner Zeit. Nahm der Herrscher auf seinem Stammsessel Platz, erklangen von Trompeten-Logen herab Fanfaren. In der damaligen Zeit hochmoderne Spezialeffekte wie Donner, Regen und Wind rauschten über die gigantische Bühne und versetzten den Kurfürsten regelmäßig in Verzückung.

    Palmen und Pomeranzen sonnenbaden in Kübeln

    Tiefer im Garten findet man all das wieder, was antike Komödien und italienische Opern an Bildern und Stimmungen über die Bühne flackern ließen: Tempel, die Göttinnen der Antike gewidmet sind. Künstliche Ruinen. Ein römisches Aquädukt. Und eine rosafarbene Moschee. Das opulente Panorama eines kurfürstlichen Freizeitparks. Vor der Orangerie ragen mächtige Hecken-Arkaden wie Torbögen in die Höhe. „Das soll aussehen wie gemauert“, weiß der Gartenmeister. „Da muss man zweimal im Jahr mit Lot und Wasserwaage ran.“ Auf dem Rasen sonnenbaden Oleander, Palmen und Pomeranzen in dickwandigen Kübeln; Mandarinen und Zitronen gaukeln vor, man lustwandle südlich der Alpen.

    „Immergrüne Zitruspflanzen waren damals als Symbol ewiger Jugend sehr beliebt“, erklärt Helmut Krupp. Im Winter mussten sich die empfindlichen Pflanzen hinter den hohen Fenster-Fronten aneinanderkuscheln, während gusseiserne Öfen das Gewächshaus auf Temperatur brachten. „Das war ein Job für Tag und Nacht, die brennend zu halten!“ Hinter der Orangerie verschwindet die Strenge des französischen Barock. Durch den englischen Garten führen verschlungene Pfade zum Herzen des Parks, zur Badhaus-Anlage. Ein verborgenes Lust-Schlösschen, das hinter Eiben und Linden hervorlugt. Hier suchte der Kurfürst Kühle an Hochsommer-Tagen, spielte auf seiner Flöte oder traf sich mit Poeten.

    Nur ausgewählte Gäste hatten Zutritt

    Ob er sich mit diesen auch in der monströsen Marmor-Wanne im Badezimmer amüsierte, ist nicht überliefert, aber durchaus möglich: „Carl Theodor hatte sechs uneheliche Kinder“, verrät der Historiker. „Vier davon mit seiner großen Liebe, der Gräfin von Heydeck.“ Eine von mehreren Mätressen, bei denen der Kurfürst abseits der zuweilen freudlosen Ehe sein Glück suchte. Hinter dem Lust-Schlösschen führt ein Laubengang vorbei an Volieren, in denen Zebrafinken, Nymphensittiche und Kanarienvögel zwitschern, während künstliche Vögel Wasser in einen Brunnen speien.

    Am Ende des Gangs wartet das sogenannte „Ende der Welt“

    Es handelt sich um eine optische Täuschung, die einen weiten Ausblick vorgaukelt. Durch die Dunkelheit einer künstlichen Grotte blickt der Besucher auf eine dahinterliegende Wand, die mit einer Fluss-Landschaft bemalt ist. Was heute hoffnungslos romantisch wirkt, verfehlte damals seine Wirkung nicht. „Nach dem Motto ,Mein Haus, mein Boot, mein Ende der Welt‘ wollte der Kurfürst auch hier seine Macht zur Schau stellen“, schmunzelt Gartenmeister Krupp.

    Glanz und Luxus der osmanischen Kultur

    Wer auf Karl Theodors Spuren vom Lust-Schlösschen aus am Großen Weiher entlangschlendert, an dessen Ufern sich die Flussgötter Rhein und Donau als weiße Skulpturen räkeln, gelangt zum ungewöhnlichsten Bau des Gartens, dessen Minarette sich in den Himmel schrauben: die Moschee. „Die Kurfürsten waren fasziniert vom Glanz und Luxus der osmanischen Kultur“, erklärt Wolfgang Schröck-Schmidt. Die Wandel-Hallen des Türkischen Gartens wirken wie aus Tausendundeiner Nacht, und der Gast wähnt sich für einen Moment in der Szenerie der Oper „Die Entführung aus dem Serail“. Wie eine „Zauberinsel, wo alles klang und sang“ beschrieb der Dichter Friedrich Gottlieb Klopstock den Schloss-Garten. Tatsächlich ist Musik in diesem Park – sogar in den Kirsch-Bäumen, zu denen nun wieder der Blick schweift: Die Blüten tanzen so schwerelos und heiter durch die Luft, als wären sie Klaviertöne Mozarts.

    Tipp aus der Printausgabe: April / Mai 2016 | Tobias Oellig
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    Öffnungszeiten: Montag bis Samstag 11:00 - 21:30 Uhr,
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    Adresse: Hauptstraße 217, 69117 Heidelberg
    Telefon: 0 62 21/2 09 77
    Öffnungszeiten: Montag - Samstag 17:00 - 23:30 Uhr,
    Sonntag geschlossen

    www.roterochsen.de
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