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Hamburg
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    Der Motor unter Deck bullert dumpf, als der Alster-Dampfer der „Weißen Flotte“ vom Jungfernstieg im Herzen Hamburgs ablegt. Alles vibriert. Einen Moment lang hängt der Geruch von Schiffs-Diesel in der Luft, dann weht einem frischer Wind um die Nase. Fotoapparate klicken und fangen die Kulisse der Binnenalster ein: Backbord – also links – das Grand Hotel „Vier Jahreszeiten“, in dem Operndiva Maria Callas gern logierte. Steuerbord, am Ballindamm, wehen Flaggen über dem Kupferdach des mächtigen Sandsteingebäudes, in dem die Reederei Hapag-Lloyd ihren Firmensitz hat.

    Hamburgs venezianische Seite - die Alster-Arkaden

    Lässt man den Blick zurück in Richtung Jungfernstieg schweifen, wo früher nach bürgerlichem Ritus sonntags die unverheirateten Damen spazieren geführt wurden, zeigt Hamburg seine venezianische Seite: Oberhalb der Schleuse am Rathaus-Markt spannen sich in italienischem Stil die weißen Rundbögen der Alster-Arkaden über die Mellin-Passage, Hamburgs älteste überdachte Einkaufs-Meile.

    Frühling an der Alster

    Frühlings-Sonne wärmt die Gesichter der Passagiere, die Hamburg vom Wasser aus erkunden wollen. Nach dem langen Winter, der die Straßen mit Schnee und die Alster mit Eis überzog, erblüht die Hansestadt im Frühling wieder zu neuem Leben. Gelbe Narzissen sprießen an den Ufern, Krokusse leuchten weiß und violett, Hamburg öffnet seine Poren. Nur das Wasser bleibt noch kalt. Aber dort, wo die Schiffs-Schrauben der Alsterschiffe es zerpflügen, glitzert und funkelt es so einladend, dass man hineinspringen möchte. Sanft schaukelt der Dampfer Richtung Außenalster, neben ihm bläst die Alsterfontäne das Wasser in den wolkenlosen Himmel. Ein feiner Schleier – echtes Alsterwasser – kühlt die Haut.

    2500 Brücken überspannen Hamburgs Wasserwege

    Als das Boot die Lombardsbrücke passiert, rumpeln rote S-Bahnen und ICEs über die Köpfe der Passagiere. In drei Bögen überspannt sie die Alster. Die ursprünglich hölzerne Brücke wurde 1865 beim Bau der Verbindungs-Bahn von Hamburg nach Altona durch eine Stein-Konstruktion ersetzt. Vier gusseiserne Kandelaber mit Glaskugeln schmücken die massiven Steinpfeiler. Ein charakteristisches Hamburger Fotomotiv – denn die Stadt am Wasser ist auch die Stadt der Brücken: Hamburgs Fläche besteht zu rund acht Prozent aus Wasser, 2500 Brücken überspannen die Wasserwege. Mehr als alle Brücken Amsterdams und Venedigs zusammengenommen.

    Auf der Außenalster kreuzen die Segelschüler

    Während die Kameras noch klicken, tuckert der Dampfer bereits über die weitläufige Außenalster. Sie ist neben der kleineren Binnenalster der nördliche und größere Teil des Alstersees. Am Ufer dösen Menschen im Schatten der Kirschbäume, die rosafarben in voller Blüte stehen. Federleicht wiegen sich junge Segelschüler in leuchtend-orangefarbenen Schwimm-Westen durch die Wellen und üben Manöver. „Wer in der Alster ertrinkt, ist zu faul, sich gerade hinzustellen“, quäkt es aus der Lautsprecher-Anlage, in die der Kapitän mit hanseatisch trockenem Humor hineinschnackt. So ganz stimmt das nicht. Die Alster ist zwar flach, aber trotzdem ein tückisches Gewässer. Durch die einmündenden Straßenzüge rauschen oft heftige Böen heran und lassen Boote kentern.

    Stromaufwärts, am nördlichen Ende der Außenalster, geht es gemächlicher zu

    „Sutsche“, wie der Hamburger sagt. Durch den Seitenarm „Langer Zug“ gelangt man in windgeschützte Kanäle. Auf beiden Uferseiten liegen Gärten, jeder Haushalt scheint hier ein Wasser-Gefährt zu besitzen. Rote und blaue Kanus schaukeln sanft an Holz-Stegen. Stille. Nur in den Kronen der alten Kastanien zwitschern Vögel. Ein leiser Hauch streift durch die Trauer-Weiden, die ihre Zweige in den dunklen Fluss hängen lassen. Verwunschen wirken die von üppigem Grün zugewachsenen Wasserläufe, an deren Rändern Stockenten ihre Nester bauen.

    Paddel-Drive-In Café Canale

    Während auf der Außenalster recht turbulenter Seeverkehr herrscht, findet man in den kleinen Kanälen des Stadtteils Winterhude Ruhe und Erholung. Vom Langen Zug aus biegen viele Paddler und Kanuten in den schmalen Mühlenkampkanal ab, um beim Café Canale Halt zu machen. Geheimtipp: Klingelt man hier, bekommt man Kaffee und frischen Rhabarber-Kuchen vom Fenster aus direkt ins Boot serviert. Wahrscheinlich das einzige Paddel-Drive-In Deutschlands.

    Die Fleete dienten einst der Entwässerung

    Mit voller Fahrt geht’s stromabwärts zurück zum Jungfernstieg. Von dort aus fließt die Alster durch die Rathaus-Schleuse Richtung Elbe. Die innerstädtischen Kanäle, Fleete genannt, dienten ursprünglich der Entwässerung des morastigen Bodens und dem Waren-Transport. Bei Flut brachten Lastkähne, sogenannte Schuten, Getreide, Tuchballen, Herings-Fässer und anderes Stückgut vom Hafen aus zu den Kontorhäusern. Die Fleete dienten auch zur Wasser-Entnahme und Entsorgung von Unrat – was häufig zur Verbreitung von Krankheiten führte.

    Stippvisite bei den „Sieben Schwestern“

    Wenn bei Ebbe die Fleete trockenfielen, stapften „Fleetenkieker“ in hohen Wattstiefeln durch den Schlick, um nach Brauchbarem zu suchen. Das Nikolaifleet nahe dem Binnenhafen ist eines der bekanntesten. Im typischen althamburgischen Fachwerkstil ragen die „Sieben Schwestern“, schmale Backsteinhäuschen mit weißen Holzfenstern, in die Höhe. Bei Flut schwappt das Wasser bis knapp unter das Erdgeschoss. Wenn Sturmfluten die Elbe anschwellen lassen, schützen Sperrwerke Hamburg und die Sieben Schwestern vor Hochwasser. Folgt man dem Wasserlauf des Nikolaifleets, einstmals Hauptmündungs-Arm der Alster, gelangt man zum Hafen. Im Hamburger Containerhafen, einem der größten Europas, herrscht Tag und Nacht emsiges Treiben.

    Lichterfahrt durch die Speicherstadt

    Bei Dämmerung geht es dann noch mal an Bord, um die Wassertour bei einer Lichterfahrt durch die Speicherstadt ausklingen zu lassen. Die, laut Kapitän, „kleinste, schönste und schnellste Barkasse des ganzen Hamburger Hafens“ schaukelt dicht an den angestrahlten Backstein-Mauern der Speicherstadt vorbei. Der riesige Lager-Komplex ruht auf kräftigen Eichenpfählen, die beim Bau im 19. Jahrhundert tief in den schlammigen Marschboden gerammt wurden. Früher wurden hier Waren aus aller Welt umgeschlagen: Kaffee, Tee, Kakao, Schnaps, Gewürze oder Tabak. Heute lagern in der Speicherstadt fast ausschließlich Orient-Teppiche mit einem Umschlagwert von hunderten Millionen Euro.

    Während die Barkasse an den mächtigen Kränen vorbeischippert, schimmern hellgrüne und gelbe Hafenlichter im dunklen Wasser. Hin und wieder lässt ein Scheinwerfer die Gischt aufglimmen. Und als sich die Nacht über die Stadt am Wasser legt, brennen flussaufwärts schon die ersten Lagerfeuer im Elbsand.

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    Tipp aus der Printausgabe: April / Mai 2014 | Tobias Oellig

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