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Manche mögen's heiß: See-Sauna in der Therme Meersburg
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Nach dem Saunagang in den Bodensee tauchen, ein eiskaltes Vergnügen.
  • Manche mögen's heiß: See-Sauna in der Therme Meersburg

    Wenn man nur noch das scharfe Zischen des verdampfenden Wassers auf den Lavasteinen hört, wenn der Duft nach Zitronenmelisse den Raum ausfüllt, dann öffnen sich die Poren, und der Schweiß rinnt. Er tropft von der Stirn, läuft über die Wangen, perlt auf Schultern und Rücken, sogar an den Waden bilden sich kleine Schweiß-Rinnsale. „Jetzt wird es schön warm“, sagt Sauna-Meister Martin schelmisch und legt noch zwei Kellen Aufguss drauf. Er weiß natürlich, dass er damit die Luftfeuchtigkeit in der ohnehin schon 90 Grad heißen Sauna erhöht, sodass sich die Luft noch heißer anfühlt. Etwa drei Minuten sind in der Sanduhr durchgerieselt, und die meisten Anwesenden senken die Köpfe, den Blick auf das Handtuch gerichtet.

    Die Sauna ist ein Ort, an dem jeder mit sich selbst zu tun hat

    Ein enger Schwitzkasten, in dem alle gleich sind und die Kälte noch mindestens sieben Minuten entfernt ist, denn zehn bis zwölf Minuten sollte man schon sitzenbleiben. Kleine Becher mit Honig werden herumgereicht. Man kann sich die zähe Masse auf die Haut reiben, wo sie in Verbindung mit dem Schweiß unmittelbar ihre Klebrigkeit verliert und die Poren noch weiter öffnet. Für noch mehr Schweiß, der inzwischen in Bächen fließt. Zwei weitere Kellen Zitronenmelisse. Der Blick schweift zu den großen Panoramafenstern, vor denen der Ofen steht. Raureif hat sich über die Äste der Bäume gelegt, und der Bodensee zeigt sich in der klaren Luft von seiner schönsten Seite: eingerahmt von den schneebedeckten Gipfeln der Alpen.

    Ein Wintermärchen mit Hitzewelle

    Der Saunameister wirbelt den Dampf nun mit einem Tuch zwischen die schwitzenden Leiber. Rund 50 Besucher haben in der Seesauna der Therme Meersburg Platz, einem Holzhaus, das den Pfahlbauten nachempfunden wurde, die hier am Bodensee 4000 Jahre vor Christus von den Steinzeitmenschen bewohnt wurden. Fünf Minuten sind um, Aufgusskelle vier und fünf. Diejenigen, die sich in die oberste Reihe gesetzt haben und am meisten Hitze abbekommen, rutschen schon ein bisschen hin und her und konzentrieren sich auf ihren Atem. Das ist der Zeitpunkt, an dem sich die äußere Hautschicht um zehn Grad, der ganze Körper zwischen einem und zwei Grad erwärmt hat. Fiebertemperatur, die aber gesund ist, weil das Herz Blut in die geweiteten Gefäße pumpt, wo es die Immunzellen mobilisiert.

    „Das stärkt die Abwehrkräfte“, sagt Martin Lehmann

    Die Kunst des Aufgießens hat er in Norwegen erlernt. „Wer einmal pro Woche drei Saunagänge macht, leidet viel seltener an Erkältungskrankheiten.“ Das funktioniere aber nur, wenn man sich zwischen den einzelnen Gängen genügend Zeit für die Entspannung gönne, um nicht nur den Kreislauf zur Ruhe zu bringen, sondern auch den Kopf. „Das glückselige Gefühl nach der Sauna ist keine Einbildung, sondern ein Effekt, der unmittelbar mit dem Stressabbau zusammenhängt.“

    Acht Minuten – der Bodensee lockt

    Er lockt mit seinem erfrischenden Anblick, mit der Möglichkeit, wie ein heißer Kieselstein hineinzuplumpsen und den pochenden Herzschlag zu beruhigen. „Gleich habt ihr es geschafft“, sagt der Aufgießer. Ein Gast versucht, die im Schweiße Vereinten mit einem Witz über die nächste Minute zu retten: „Warum kannst du deine Vokabeln nicht?“, fragt der Lehrer. „Ich war mit Papa in der Sauna.“ – „Na und?“ – „Alles verschwitzt.“ Dann, endlich, erreichen die Sandkörner der Uhr den Bereich bei Minute zehn.

    Die ersten Saunagänger drängen hinaus

    Die frische Luft, die nun hereinströmt, scheint fast so lebenswichtig wie der erste Atemzug nach einem Wetttauchen. Innen 90 Grad, draußen minus fünf. Schlagartig ziehen sich die Poren zusammen, der Organismus schaltet von Kühlung auf Wärmeerhalt um, ein Wechselspiel, das abhärten soll. Durchgehalten! Schon das fühlt sich gut an. Unterhalb der Saunahütte führt eine flache Rampe ins Wasser. Von wegen plumpsen. Zuerst berühren die Füße das Nass, dann die Knöchel, schließlich die Oberschenkel. Jetzt oder nie!

    Vier Grad beträgt die Temperatur des Bodensees

    Das Wasser fühlt sich auf der Haut an, als würden 1000 Nadeln piksen. „Den Kopf nicht unter Wasser tauchen“, rät der Saunameister, weil man sonst zu sehr auskühlt. Auskühlen? Erfrieren! Drei, vier Schwimmzüge Richtung Schweiz, mehr geht nicht. Die Lunge hat schlagartig ihre höchste Atemfrequenz erreicht. Wow, wir haben mitten im Winter im Bodensee gebadet! Und in einer Stunde, nach dem Eukalyptusaufguss, gleich nochmal. Dazwischen denken wir, eingemummelt in den Bademantel, darüber nach, ob ein Wintertag am Bodensee überhaupt schöner sein kann. Wohl kaum, zumal während des dritten Saunagangs die Abendsonne die Wasseroberfläche verführerisch glitzern lässt, als wollte sie uns Tapfere in Gold baden.

    Tipp aus der Printausgabe: August/September 2016 | Peter Hummel

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    www.schreier-insel.de/
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    Telefon: 0 83 82/ 9 34 60
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    www.alte-post-lindau.de/
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    Schwäbische Spezialitäten und Lindauer Doppelschübling (Wurst aus Rinds- und Schweinefleisch mit Sauerkraut, Linsen oder Kartoffelsalat).

    Adresse: Lingstr. 14, 88131 Lindau
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    Öffnungszeiten: Mittwoch - Sonntag 12:00 - 14:30 Uhr und ab 18:00 Uhr,
    Montag - Dienstag geschlossen

    zum-raichlebeck.jimdo.com
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