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Mit der Zahnradbahn auf den Drachenfels
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Die grünen Waggons der Drachenfels-Bergbahn fahren Besucher hinauf auf den Berg.
  • Mit der Zahnradbahn auf den Drachenfels

    Ratternd fährt der Triebwagen an. Gräbt sein Zahnrad in das Gitter, das zwischen den Schienen verläuft. Ächzt den Berg hoch, der mit jedem Meter steiler wird. Die Menschen kleben an den Scheiben, um einen Blick ins romantische Rheintal zu erhaschen. Sie fahren über kleine Viadukte und Bogenbrücken. Werden beschattet von Ahornbäumen, Buchen, Eichen, die am Sonnenhang stehen. Erzählen ihren Kindern von einem geheimnisvollen Drachen, der hier einmal gelebt haben soll.

    Quietsch! Nach vier Minuten hält die Bergbahn das erste Mal an

    Öffnet ihre Schiebetüren, lässt ein paar Gäste an der Mittelstation raus und nimmt neue mit nach oben. Sie steigen in ein Schienenfahrzeug aus den 1950er-Jahren. Mit rotem Kunstleder, blitzenden Chromleisten und einem Armaturenbrett ohne Digitalanzeige. „Fertig?“ – „Fertig!“ Der Fahrer schließt die Türen und legt den Hebel um. Seit 1883 schnaubt die Drachenfelsbahn den legendären Rheinfelsen bei Königswinter hinauf. Sie ist die älteste Zahnradbahn Deutschlands. Eine von vieren, die noch in Betrieb sind. Die anderen verkehren am Wendelstein, an der Zugspitze und in Stuttgart, mit moderner Technik und modernen Triebwagen. Die Drachenfelsbahn aber hegt und pflegt die lindgrünen Züge aus der Frühzeit des Elektroantriebs.

    Die Farbe verpasste ihnen die Eigentümerfamilie Mülhens

    Ihr gehörte damals auch die Marke „Kölnisch Wasser“. Eine Bergbahn in 4711-Anmutung, so etwas gibt es nur am Rhein. Die Bahn setzt sich wieder in Bewegung. Kämpft mit dem Berg wie der kleine züngelnde Drache, der auf ihr abgebildet ist. 20 Prozent Steigung sind es auf dem letzten Abschnitt vor der Felsspitze.

    Ein normaler Zug würde das nicht mehr packen

    „Ein normaler Zug würde das nicht mehr packen“, sagt Thomas Scharf (50). Er ist Betriebsleiter der Drachenfelsbahn, der Herr der Dienst-, Fahr- und Wartungspläne. Jede Woche bekommt seine Strecke eine professionelle Zahnreinigung verpasst, indem sie von Zweigen, Steinen oder Laub befreit wird. 15.000 Zacken sind es auf den 1,5 Kilometern von unten nach oben. Der Gipfel. 289 Meter hoch liegt der Bergbahnhof, 321 die Ruine auf dem Drachenfels.

    Stolz reckt die Burgruine ihren Bergfried in den Himmel

    Der Dreißigjährige Krieg hat der Burg den Garaus gemacht, danach fiel sie in einen Dornröschenschlaf. Wilder Efeu wächst an ihren Mauern empor, ab und zu flitzt eine Eidechse über das Gestein. Pärchen stehen an der Brüstung, blinzeln in die Tiefe, wo am Fuß des Felsens ein Wein mit dem Namen Drachenblut gedeiht.

    Der Ausblick ist atemberaubend

    Das gesamte Rheintal liegt den Besuchern hier zu Füßen: die Inseln Grafenwerth und Nonnenwerth, das langgezogene Königswinter, die alte Bundeshauptstadt Bonn und ganz in der Ferne Köln. Am Drachenfels geht das Mittelrheintal in die Kölner Bucht über, markiert der monumentale Felsen ein letztes Stück Mittelgebirge, bevor die Ufer des Flusses allmählich flach werden.

    Sehnsuchtsort der Rhein-Romantiker

    Früh entdeckten die Rhein-Romantiker das exponierte Siebengebirgsplateau mit seinem Ritterburgrest. Erklommen den Berg mit Wanderstiefeln oder auf dem Rücken von Eseln. Vollends geschehen war es um den Drachenfels, als Richard Wagner den Rhein zum Schauplatz seines vierteiligen Opernzyklus „Der Ring des Nibelungen“ machte. Zu den Herzstücken der Heldensaga gehört der Kampf Siegfrieds mit dem Ungeheuer. Er tötet es, badet im Drachenblut und wird dadurch (fast) unverwundbar.

    Keine Frage, wo das zu verorten war: am Drachenfels natürlich, dem Berg, der schon seit Jahrhunderten so hieß und an dessen Fuß einer Sage nach schon immer ein Ungeheuer gehaust haben soll.

    Mit Eröffnung der Drachenfelsbahn 1883 ging der Ansturm auf den Gipfel erst richtig los

    Die ersten Züge waren dabei selbst noch kleine Drachen, feuerspeiende Dampfloks, die ihre Waggons schnaubend vor sich herschoben – ihr Hinterteil so weit angehoben, dass es in die Waagrechte kam und der Wasserkessel nicht auslief. Betriebsleiter Thomas Scharf schmunzelt, wenn er das erzählt und sich in die öligen Gruben hineinbückt, die aus der Dampflokzeit stammen. Ein Technikwagen trägt noch das Originaldatum von 1883, ansonsten steckt unter den Chassis der Elektroloks inzwischen jede Menge moderne Steuerungstechnik.

    Die Talfahrt ist ein einziger Bremsvorgang

    Maximal 18 Stundenkilometer darf der Zug schnell sein, eine eigene Bremsachse hakt sich in der Zahnstange fest, Sicherheit hat oberste Priorität. Die Talfahrt kommt bei den Besuchern besonders gut an. Wer ergattert einen Platz in der ersten Reihe? Wer entdeckt als Erster die Silhouette des Kölner Doms? Naheliegender ist jedoch eine andere Silhouette. Majestätisch erheben sich neben der Mittelstation die Zinnen und Türmchen von Schloss Drachenburg.

    Märchenschloss Drachenburg

    Etwa zeitgleich mit dem Bau der Drachenfelsbahn hat sich hier 1882 ein Börsenspekulant seinen Traum von einem Märchenschloss verwirklicht. Wie ein kleines Neuschwanstein liegt es gut 100 Meter über dem Rhein, mit goldenen Hirschfiguren in einem Venusgarten, verspielten Erkern und Balkonen, Rosettenfenstern und Bögen, die an einen Kirchenbau erinnern. Heute gehört das Schloss mit seinen Nibelungen-Gemälden dem Land Nordrhein-Westfalen und kann besichtigt werden.

    Jede Viertelstunde fährt die Drachenfelsbahn

    Das macht es einfach, an der Mittelstation zu verweilen. Um sich treiben zu lassen auf den verwunschenen Wegen des Nibelungenbergs. Wenige Meter unterhalb des Schlosses befindet sich ein kleiner graubrauner Tempel.

    Wagner-Denkmal und Drachenhöhle

    Ein von Blumen umgarnter wunderlicher Bau, an dem im Sommer Bienen summen. „Nibelungenhalle“ steht daran in einer fast runenhaften Schrift. Es ist das Reich von Marlies Blumenthal. Die 71-jährige Rheinländerin ist hier groß geworden, hat von ihrem Vater ein Erbe übernommen, das mit dem 100. Geburtstag von Richard Wagner begann. Ein Landschaftsmaler namens Hermann Hendrich setzte Wagner 1913 ein Denkmal am Drachenfels, dem mythischen Ort des Kampfes von Siegfried mit dem Lindwurm. „Gehen Sie hinein, lassen Sie den Raum auf sich wirken“, sagt Marlies Blumenthal.

    Im düsteren Innern hängen zwölf Ölgemälde zu Richard Wagners Opernzyklus, aus der Decke ertönt feierlich Wagner-Musik. Wegen Wagner allein würden die Leute freilich keinen Eintritt für die Nibelungenhalle bezahlen. Daher ließ die Familie bereits 1933 eine Drachenhöhle bauen. In der lauert noch heute ein 13 Meter langer steinerner Drache und blickt verwegen die Besucher an. Manche kommen mit ihren Enkeln, weil sie selbst als Kind schon hier waren, und versichern nun tröstend, „dass der Drache nichts tun kann“.

    Zähneputzen – und dann das Licht in der Halle löschen

    Auf Heinrich trifft das allerdings nicht zu. Bei Heinrich, dem ganzen Stolz von Marlies Blumenthal, handelt es sich um einen 60 Jahre alten Mississippi-Alligator, mit dem sie zusammen aufgewachsen ist. Heinrich ist der größte aller lebenden Drachen im Reptilienzoo der Blumenthals. 1958 wurde der Tierpark eröffnet, weil er Besucher anlockt und zum Drachenthema passt. Vor allem der Nashornleguan Wotan sieht aus, als sei er gerade eben der Nibelungensaga entstiegen. Demnächst muss er zum Tierarzt, „Arthrose“, sagt Blumenthal, die mit ihren Tieren ebenso verbunden ist wie mit der Nibelungenhalle. Ihre Wohnung liegt unter dem Wagner-Tempel, von dem eine Wendeltreppe hinab in ihre Privatgemächer führt.

    Um 19 Uhr fährt die letzte Bahn zurück ins Depot

    Feierabend. Wieder sind ein paar hundert zu den insgesamt 28 Millionen Kilometern hinzugekommen, die die Drachenfelsbahn in ihren über 130 Betriebsjahren zurückgelegt hat. Ein Junge erzählt seiner Mutter stolz, dass „Siegfried beim Bad im Drachenblut eine Stelle vergessen hat und deswegen später gestorben ist“. Bei der Drachenfelsbahn darf es keine Schwachstellen geben. Daher heißt es, kurz bevor das Licht in der Werkshalle ausgeht: Zähneputzen. Und ein bisschen nachölen. Damit morgen am Berg wieder alles wie geschmiert läuft.

     

    Tipp aus der Printausgabe: April / Mai 2014 | Andreas Steidel

  • Unsere Restauranttipps in der Region

    Cafe de fries

    Frühstück, Pfannkuchen und wechselnd 40 Torten. Unbedingt ansehen: das angeschlossene kleine Konditoreimuseum.

    Adresse: Kurfürstenstr. 8, 46509 Xanten
    Telefon: 0 28 01/20 68
    Öffnungszeiten: Dienstag - Samstag 08:30 - 18:00 Uhr,
    Sonntag 09:00 - 18:00 Uhr,
    Montag geschlossen

    www.cafe-defries.de
    Das Café

    Frühstück in vielen Varianten.

    Adresse: Wallstr. 19, 41061 Mönchengladbach
    Telefon: 0 21 61/1 44 84
    Öffnungszeiten: Sonntag - Freitag: ab 10:00 Uhr,
    Samstag ab 09:00 Uhr

    www.das-cafe.de
    Graefen & König

    Essen (fast) rund um die Uhr: von der Frühstücks- bis zur Nachtkarte.

    Adresse: Alter Markt 43–46, 41061 Mönchengladbach
    Telefon: 0 21 61/18 04 44
    Öffnungszeiten: Sonntag - Donnerstag 09:00 - 24:00 Uhr,
    Freitag und Feiertage 09:00 - 03:00 Uhr,
    Samstag 08:00 -03:00 Uhr

    www.graefenkoenig.de
    Ratskeller Rheydt

    Gutbürgerliche, westfälische Küche im Stadtteil Rheydt.

    Adresse: Markt 11, 41236 Mönchengladbach-Rheydt
    Telefon: 0 21 66/9 98 00 74
    Öffnungszeiten: Dienstag - Samstag ab 17:00 Uhr,
    Mittwoch, Samstag, Sonntag 11:00 - 15:00 Uhr,
    Montag geschlossen

    www.ratskeller-rheydt.com
    Restaurant Hövelmanns

    Regionale und internationale Gerichte mit Blick auf den Dom.

    Adresse: Markt 31–33, 46509 Xanten
    Telefon: 0 28 01/ 40 81
    Öffnungszeiten: Montag - Samstag 11:30 - 15:00 Uhr und 18:00 - 23:00 Uhr,
    Sonntag 11:30 - 23:00 Uhr

    www.hotel-hoevelmann.de
    Römische Herberge

    Speisen wie die Römer!

    Adresse: Archäologischer Park 2, 46509 Xanten
    Telefon: 0 28 01/ 34 15
    Öffnungszeiten: März - Oktober täglich 9:00 - 18:00 Uhr,
    November täglich 9:00 - 17:00 Uhr,
    Dezember - Februar täglich 10:00 - 16:00 Uhr

    www.roemische-herberge.de
  • Unsere Ausflugstipps in der Region


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