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Seen und Sehenswürdigkeiten
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  • Seen und Sehenswürdigkeiten

    Marcus Wilken steht am Fenster seines Büros und blickt auf den See, wo sein Schiff, die MS Brombachsee, vertäut liegt. 46 Meter lang, 750 Plätze, drei Decks. „Wir sind seinerzeit mit dem Schiff hierhergekommen“, sagt der 45-Jährige. Wie bitte? Durch den schmalen unterirdischen Kanal, der den Stausee speist? „Nein“, ergänzt er, „auf der Straße. Wir im Auto, das Schiff auf dem Schwertransporter.“Der Trimaran mit seinen drei Rümpfen wurde in Teilen von der Werft bei Bonn auf Lastwagen hierhergebracht, nach Ramsberg am Großen Brombachsee.

    Wilken und seine Frau kamen im Jahr 2000 als Pioniere nach Mittelfranken

    Der Stausee war gerade erst vollgelaufen, das geflutete Tal mit den alten Wassermühlen lag nun am Grund des Gewässers. Die künstliche Wassersperre stoppt seither die Überschwemmungen im Süden der Region, leitet das Wasser in den trockenen Norden – und verwandelte die Gegend in ein attraktives Freizeitziel: das Fränkische Seenland, zu dem neben dem Brombach- auch der Altmühl- und der Rothsee gehören. Die Vogelinsel im Altmühlsee zieht heute seltene Arten wie Seeadler, Pfeifente und Großen Brachvogel an. Über den Brombachsee gleiten Hunderte Segelboote und Windsurfer – und natürlich das „Fränkische Traumschiff“, wie Marcus Wilken die MS Brombachsee nennt. Wilken steigt über einen schmalen Steg an Bord, läuft über die breiten Sonnendecks und tritt ein. Im Herzen des Schiffs befindet sich eine große Galerie, die Tische und Stühle räumt Wilken regelmäßig beiseite. „Bei den Rock-Abenden und After-Work-Partys ist das unsere Tanzfläche.“

    Sandstrände mitten in Bayern

    Die MS Brombachsee bricht zu vielen Sonderfahrten auf, doch das eigentliche Ereignis bleibt der Blick durch die breiten Fensterfronten: der silberne See, die Kiefernwälder, die malerischen Strände, die der sandige Boden bildete. „Sandstrände mitten in Bayern“, sagt Wilken, als könne er sein Glück nach 15 Jahren immer noch nicht fassen. Der gebürtige Emsländer und seine Frau wollen noch lange in Ramsberg bleiben. Das Haus, das sie oben am Hang gebaut haben, ist gerade fertig geworden – mit freier Sicht auf den See. „Die Bäume am Ufer hat unsere Biberkolonie umgelegt“, sagt er. Wilken gefällt das. Manchmal schaut er den Radfahrern hinterher. Man kann hier den ganzen Tag lang unterwegs sein, bis zum Altmühlsee und zurück, ohne ein einziges Auto zu sehen.

    Unaufgeregte Mittelfranken

    Der Mittelfranke, sagt Wilken, sei unaufgeregt, verlässlich und verbindlich – wenn man ihn erst mal versteht. Es habe ein wenig gedauert, bis er sich an die Mundart gewöhnt hat, den Lothar-Matthäus-Dialekt mit dem rollenden r, bei dem das t zum d und das k zum g wird. Die Grammatik geht eigene Wege, und dass Füllwörter wie „fei“ kaum zu übersetzen sind, ist für Auswärtige „fei g’scheid bled“: ziemlich dumm. Den eigensinnigen Mittelfranken macht es wenig aus, nicht verstanden zu werden. Das Einzige, was jeder begreifen muss, ist, dass der Franke kein Bayer ist. Obwohl Napoleon Franken schon vor mehr als 200 Jahren dem Königreich Bayern zusprach, wehen keine weiß-blauen Fahnen in den Vorgärten, sondern rot-weiße. Niemand zwängt sich in Lederhose oder Dirndl, und statt Maß trinkt man Seidla – die fränkische Einheit für einen halben Liter Bier.

    Bevor Marcus Wilken Kapitän und Schiffseigner wurde, war er Koch.

    Er mag den deftigen Geschmack der Franken: die Nürnberger Rostbratwurst, klein und kross, serviert mit Sauerkraut; die Schäufele, also Schweineschulter, mit Kartoffelklößen; die heimischen Biere aus den kleinen Brauereien, gewürzt mit Hopfen von den Feldern nördlich des Brombachsees; die trockenen Weine, gereift an den Hängen des Steigerwalds und der Frankenhöhe, dem Aischgrund und der Tauber. 1,7 Millionen Menschen leben in Mittelfranken. Mehr als zwei Drittel von ihnen besiedeln das Ballungsgebiet Nürnberg-Fürth-Erlangen im Nordosten, der Rest wohnt in oft sehenswerten Dörfern, Klein- und Mittelstädten: in Rothenburg ob der Tauber zum Beispiel, mit seinen verwinkelten Gassen und Fachwerkhäusern der Inbegriff der deutschen Romantik. Oder in Weißenburg, wo schon die Römer siedelten und die alten Stadtmauern, Wehrtürme und Wassergräben so gut erhalten sind, dass man meinen könnte, der Ort sei noch immer eine mittelalterliche Festung.

    Klettern, Wandern, Wassersport

    Auf der Hersbrucker Alb, im Nordosten Mittelfrankens, erklimmen Kletterer aus aller Welt steile Kalkfelsen, die bleich wie Zähne aus den Mischwäldern ragen. Darunter führen kilometerlange Tropfsteinhöhlen in die Tiefen der Berge. Im Frühling blühen weiße Farbtupfer in der grün gewellten Landschaft auf: Statt in Reih und Glied und streng nach Sorten getrennt, wachsen Äpfel, Birnen und Kirschen auf den alten Streuobstwiesen in wilder Unordnung. Die Aorta der Besucherströme verläuft von Nordwesten nach Südosten: die bei Urlaubern überaus beliebte Altmühl. Kaum ein Fluss in Deutschland hat so ein niedriges Gefälle. Gemächlich plätschert sie dahin, trägt Paddler und Ruderer, wird in Naturschwimmbädern von Badenden durchkrault und am Ufer von Radlern und Wanderern begleitet. Ihr Weg führt durch Wacholderheiden und Felsenland, vorbei an Burgen und Schlössern. Drei Viertel des Altmühltals gehören zu Mittelfranken, vom Quellgebiet in den Bergwäldern der Frankenhöhe über das Fränkische Seenland bis zur weltbekannten Kleinstadt Solnhofen mit ihren nur 1700 Einwohnern. „Willkommen in der Welt in Stein“, steht auf einem Banner am Ortseingang. Einer, der schon immer hier wohnte, sagt passend dazu: „Ich bin ein Urgestein.“

    Versteinerte Fossilien im Solnhofer Plattenkalk

    Hobby-Paläontologe Klaus Satzinger läuft einen kleinen Wall neben der Landstraße hinauf. Dahinter reißt die Erde ihr Maul auf: ein Krater aus Kalkstein, der Steinbruch Langenaltheimer Haardt. Aus den provisorischen Hütten hallen Hammerschläge. Satzinger hebt eine Steinplatte auf, kaum größer als ein Taschenbuch, aber fünf Mal so schwer. „Solnhofener Plattenkalk“, erklärt der 53-Jährige, „der dichteste Kalkstein der Welt.“ Schon die Römer pflasterten damit ihre Bäder, bis heute werden die geschmeidigen, glatten Platten als Natursteinfliesen in Bädern, Küchen und Fluren verlegt. Als junger Mann hat Satzinger selbst mit Hammer und Meißel Platten aus dem Fels geschlagen, um sich etwas dazuzuverdienen. Doch bald ging es ihm nicht mehr ums Geld, sondern um das, was man auf manchen Steinen entdeckte: Versteinerungen von Fischen, Krebsen, Schnecken, die hier vor 150 Millionen Jahren lebten. „Damals begann südlich von Solnhofen das offene Meer“, erzählt Satzinger, „und Mittelfranken befand sich in der Nähe des Äquators.“ Der Superkontinent Pangäa war gerade erst zerbrochen, und die Landmasse, die heute Europa heißt, wanderte langsam nordwärts. Wo der Steinbruch staubt, lag damals eine subtropische Lagunenlandschaft. Das flache Wasser war so salzig und sauerstoffarm, dass die verendeten Lebewesen kaum verwest waren, als der abgelagerte Kalk sie einschloss. Auch Landbewohner, die nach dem Ableben auf den Grund sanken, versteinerten: Käfer, Libellen, Schildkröten, Krokodile – über 700 Arten hat man in und um Solnhofen entdeckt.

    Funde des Ur-Vogels Archaeopteryx

    In seiner Freizeit legt Satzinger als Präparator auch die Funde anderer frei, für wenig Geld und mit viel Leidenschaft. Und er veranstaltet Erlebnistage im Steinbruch, an denen er den Besuchern die Welt aus Stein erklärt und sie selbst Platten spalten lässt. Einmal hat er einen Krebs gefunden, der so besonders war, dass das Bayerische Fernsehen ihm dafür einen Preis verliehen hat. Seinen größten Moment als Fossiliensammler aber erlebte er 1992, als seine Kollegen im Steinbruch ihn herbeiriefen, weil sie das siebte Exemplar des Archaeopteryx entdeckt hatten – das berühmteste Fossil der Welt. Der Urvogel, halb Reptil, halb Vogel, galt nach seinem ersten Fund im Jahre 1861 als Beweis dafür, dass Vögel von Raubsauriern abstammen. Er wurde zum Kronzeugen von Darwins Evolutionstheorie. Elf Exemplare hat man gefunden, drei liegen in den Vitrinen des Bürgermeister-Müller-Museums in Solnhofen. Am Ende des Rundgangs holt Klaus Satzinger seine Visitenkarte mit dem Foto einer versteinerten Garnele hervor und verabschiedet sich auf verbindliche, unaufgeregte Art. Echt fränkisch eben.

    Tipp aus der Printausgabe: April 2015 | Julius Schophoff
  • Unsere Restauranttipps in der Region

    Altdeutsches Restaurant

    Gehobene fränkische Küche in einem ganz wundervollen Haus.

    Adresse: Weinmarkt 3, 91550 Dinkelsbühl 
    Telefon: 0 98 51/60 58
    Öffnungszeiten: Montag - Sonntag 12:00 - 14:00 Uhr, 18:00 - 22:00 Uhr 11:00 - 1:00 Uhr

    www.deutsches-haus.net/
    Alter Keller

    Steaks, fränkische Küche und bayerische Wirtshausatmosphäre.

    Adresse: Alter Keller 8, 91541 Rothenburg o.d.T
    Telefon: 0 98 61/22 68
    Öffnungszeiten: Mittwoch - Sonntag 11:30 - 14:00 Uhr, 17:30 - 21:00,
    Montag und Dienstag geschlossen

    www.rothenburg-restaurant.de
    Brauhaus zu Coburg

    Deftig bayerisch-fränkische Gerichte in urigem Ambiente.

    Adresse: Nägleinsgasse 4, 96450 Coburg
    Telefon: 0 95 61/7 05 91 92
    Öffnungszeiten: Montag - Sonntag ab 11:00 Uhr

    brauhaus-coburg.de/
    Café Hench

    Leckerer Käsekuchen und mehrfach prämiertes Brot.

    Adresse: Sandgasse 15, 63739 Aschaffenburg
    Telefon: 0 60 21/38 66 33
    Öffnungszeiten: Montag - Freitag 7:30 - 18:30 Uhr,
    Samstag 7:30 - 18:00 Uhr,
    Sonntag 10:00 - 18:00 Uhr

    www.hench-feinback.de
    Gasthaus Schlappeseppel

    In der urigen Gaststube schmeckt die geräucherte Spessartforelle ganz besonders.

    Adresse: Schlossgasse 28, 63739 Aschaffenburg
    Telefon: 0 60 21/2 55 31
    Öffnungszeiten: Montag - Freitag 10:00 - 1:00 Uhr,
    Samstag,Sonn- und Feiertage 10:00 - 1:00 Uhr

    www.schlappeseppel-ab.de
    Herrnschlösschen

    Landhausflair mit Michelinempfehlung und traumhaftem Barockgarten.

    Adresse: Herrngasse 20, 91541 Rothenburg o.d.T.
    Telefon: 0 98 61/87 38 90

    www.hotel-rothenburg.de/
    Luis

    Gutbürgerliche Speisen in stilvollem Ambiente.

    Adresse: Segringer Str. 7, 91550 Dinkelsbühl 
    Telefon: 0 98 51/55 54 20
    Öffnungszeiten: Montag - Sonntag 8:30 - 14:00 Uhr, 17:30 - 21:30 Uhr

    www.luis-hezelhof.com/
    Restaurant Das Backstüble

    Gemütliches Gasthaus mit fränkischen Spezialitäten.

    Adresse: Lossaustr. 12, 96450 Coburg
    Telefon: 0 95 61/ 87 40
    Öffnungszeiten: Montag - Freitag 10:00 - 14:00 Uhr, 17:00 - 23:00 Uhr,
    Samstag 18:00 - 23:00 Uhr

    www.hotel-stadt-coburg.de
    Restaurant Loreley

    In einem der ältesten Gasthäuser Coburgs gibt es regionale Köstlichkeiten. Mit Biergarten.

    Adresse: Herrngasse 14, 96450 Coburg
    Telefon: 0 95 61/7 95 82 42
    Öffnungszeiten: Dienstag - Samstag 11:30 - 14:00 Uhr, 17:30 - 23:00 Uhr,
    Sonn- und Feiertag 11:30 - 14:00 Uhr, 17:30 - 21:30 Uhr,
    Montag geschlossen

    www.coburg-loreley.de
    Weib’s Brauhaus

    Hausbier, Karpfen und Hesselberger Lamm.

    Adresse: Untere Schmiedgasse 13, 91550 Dinkelsbühl 
    Telefon: 0 98 51/ 57 94 90
    Öffnungszeiten: Donnerstag - Montag 11:00 - 1:00 Uhr,
    Mittwoch 18:00 - 1:00 Uhr,
    Dienstag geschlossen

    www.weibsbrauhaus.de
    Weinstube Kitz

    Gepflegte Weinkarte und traditionelle, internationale Küche.

    Adresse: Treibgasse 19, 63739 Aschaffenburg
    Telefon: 0 60 21/2 33 26
    Öffnungszeiten: täglich ab 17:00 Uhr

    weinstube-kitz.de/
    Zur Höll

    Mittelalterliche Trinkstube, Frankenweine, rustikal und turbulent.

    Adresse: Burggasse 8, 91541 Rothenburg o.d.T.
    Telefon: 0 98 61/42 29
    Öffnungszeiten: Montag - Samstag ab 17:00 Uhr,
    Sonntag geschlossen

    www.hoell-rothenburg.de
  • Unsere Ausflugstipps in der Region


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