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Sylt - die unvergleichliche Insel
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Auf dem beeindruckenden, 20 Meter hohen Morsum-Kliff afu Sylt wächst sogar Enzian.
  • Sylt - die unvergleichliche Insel

    Heute geht es hoch hinaus. 109 Holzstufen müssen erklommen werden, bis man die Plattform erreicht, die Sylts höchste Düne krönt. „Ist das ein Ausblick!“, schwärmt eine Urlauberin aus Stuttgart und knipst sogleich eine ganze Reihe Fotos. Im Westen erstreckt sich hinter den Dünenkuppen das azurblaue Meer, im Osten grüßt der Leuchtturm von Kampen.

    Was den Bayern ihre Zugspitze, das ist den Syltern ihre Uwe-Düne.

    Zugegeben, es ist kein fairer Vergleich, denn Sylts höchste natürliche Erhebung bringt es gerade einmal auf bescheidene 52 Meter. Die stattliche Düne am Rand der Gemeinde Kampen im Nordteil der Insel gehört zu deren wichtigstem Kapital: eine außergewöhnlich facettenreichen Natur. Feine Sandstrände und ausgedehntes Wattenmeer, Idylle zwischen Dünen und Deichen, Kliffen und Leuchttürmen, Heide und Salzwiesen. Bereits ab 1923 wurden einzelne Gebiete nach und nach unter besonderen Schutz gestellt. Sie machen heute gut 40 Prozent der Insel aus.

    Nordsee: baden mit Seehunden und Schweinswalen.

    Nach dem Abstieg von der Düne schlagen die Feriengäste zielsicher den Weg zum Strand ein. Schon am frühen Morgen ist die Kraft der Sonne, die nur von ein paar Schäfchenwolken flankiert wird, spürbar. Ein Sonnenbad im Strandkorb und ein Bad im Meer, das war und ist der schönste Zeitvertreib auf Sylt. Rund 13.000 Strandkörbe säumen im Sommer die langen Strände. Und so manch einer möchte das lässige Sitzmöbel auch daheim nicht missen. „Wir haben sogar schon nach Neuseeland und Australien geliefert“, erzählt Willy Trautmann, Inhaber von Sylts einziger Strandkorb-Manufaktur.

    Wer nicht im Strandkorb schlummert oder liest, taucht einfach ab.

    Im Hochsommer kann sich die kühle Nordsee schon mal auf über 20 Grad erwärmen. „Ihr braucht gar nicht erst anderswo zu suchen. Der Sylter Strand und das Baden im Meer bleiben unerreicht“, schrieb Hans Albers in seinem Buch „Nach Jahr und Tag“. Und Thomas Mann notierte 1927 im Gästebuch des Kampener Logierhauses Kliffende: „An diesem erschütternden Meere habe ich tief gelebt.“

    Promis und Pauschaltouristen tummeln sich heute Seite an Seite in den Wellen.

    Weiter draußen fährt gemächlich ein Krabbenkutter vorbei, ein Windsurfer macht seine ersten Stehversuche auf dem wackligen Brett, und manchmal tauchen zwischen den Badenden keck blickende Knopfaugen auf: Seehunde. Mit einer Geschwindigkeit von bis zu 35 Kilometern pro Stunde gleiten sie geschmeidig durchs Wasser. Dazwischen die anmutigen kleinen Schweinswale, die unbeeindruckt an den Schwimmern vorbei ihrer Wege ziehen und deren Rücken dabei im Gleichklang auf- und abtauchen.

    Kampens Wahrzeichen und Deutschlands einzige Austernzucht

    Etwa eine Stunde vor Sonnenuntergang erwacht das Feuer in Sylts ältestem Leuchtturm Rotes Kliff. 1856 erbaut, sendet Kampens Wahrzeichen sein Licht bis zu 35 Kilometer weit aufs Meer hinaus. Nun kommt die Zeit, sich den kulinarischen Köstlichkeiten der Insel zu widmen. Auf halber Strecke zwischen Kampen und List ganz im Inselnorden reifen im Wattenmeer Delikatessen heran. Über eine Fläche von etwa 40 Fußballfeldern erstreckt sich Deutschlands einzige Austernzucht. Pro Jahr erntet man hier etwa eine Million dieser Edelmuscheln, die in käfigartigen Gestellen im Wattenmeer ausgesetzt werden und dort stündlich bis zu 20 Liter Wasser durch ihre Schalen filtern. Abnehmer ist vorrangig die bundesweite Top-Gastronomie. Doch auch andernorts gelüstet es nach Sylter Austern, etwa in exklusiven Bergrestaurants in den Schweizer Alpen.

    Sylter Ellenbogen: nördlichster Punkt Deutschlands.

    An der nördlichen Spitze von Sylt erstreckt sich der Ellenbogen mit seiner ausgedehnten, urwüchsigen Dünenlandschaft. Wer hier steht, ist in diesem Moment der nördlichste Mensch Deutschlands. Das dänische Ufer der Nachbarinsel Röm ist schon in Sichtweite – und von List aus mit der Fähre erreichbar. Röm besitzt einen besonders breiten Sandstrand. Bei Ebbe beträgt die Entfernung zwischen Dünen und Meer bis zu einem Kilometer. In einigen Bereichen darf der Strand sogar mit dem Auto befahren werden. Beliebt sind die Strände auch bei Strandseglern, und viele lassen hier ihre Drachen steigen.

    Achtung, Schafe!

    Zurück zum Lister Ellenbogen, wo Autofahrer sich auf gelegentlichen „Wildwechsel“ einstellen müssen. Rund 300 Schafe leben hier ohne Zäune. Die Verkehrssituation ist klar geregelt: Wollknäuel auf vier Beinen haben immer Vorfahrt!

    Schnacken an der Klöntür

    Weiter südlich, im idyllischen Dorf Keitum im Osten der Inselmitte, schaut Traute Meyer aus der halben Haustür ihres altehrwürdigen Friesenhauses aus dem 18. Jahrhundert. Es ist eine sogenannte Klöntür, wie man sie in den noch rund 200 historischen Sylter Häusern mit ihren tief heruntergezogenen Reetdächern findet. Die zweigeteilte Klöntür kann vollständig oder nur zur Hälfte geöffnet werden. Das hatte einst einen guten Grund: „Mensch und Vieh lebten früher unter einem Dach, der Wohnbereich und die Ställe waren nur durch den Flur getrennt“, erzählt die Sylter Denkmalschutzbeauftragte Traute Meyer. „Damit die Tiere nicht hinausliefen, wenn man mal lüften wollte, wurde die Klöntür erfunden.“ Angenehmer Neben­effekt: Zum zwanglosen Plausch – dem Klönschnack – mit dem Nachbarn kann man sich bequem aus dem geöffneten Oberteil der Tür hinauslehnen.

    Morsum-Kliff: aufgeworfene Erdschichten und blauer Enzian

    Am östlichen Inselende entblättert Timm Schulz etwa zur selben Zeit zehn Millionen Jahre Erdgeschichte. Eine Gruppe von Urlaubern blickt beeindruckt hinauf zu dem 20 Meter hohen Morsum-Kliff mit seinem einzigartigen geologischen Aufbau. Schwarz, rot und weiß fächern sich nebeneinander drei Erdschichten auf. „Ursprünglich lagen die Schichten übereinander, in der Eiszeit wurden sie jedoch von Gletschern unter ungeheurem Druck aufgebrochen und nebeneinandergepresst“, erläutert Schulz, der bei der Naturschutzgemeinschaft Sylt ein Freiwilliges Ökologisches Jahr absolviert und regelmäßig Führungen begleitet. Der 20-Jährige hat für die Besucher aber noch mehr Wissenswertes im Gepäck. Zum Beispiel die Sage von den Zwergen, die in den Gängen des Kliffs hausen sollen. Oder die Tatsache, dass in der Heidelandschaft oberhalb des Kliffs Enzian wächst. „Na, des is jo a Ding“, kommentiert prompt ein Urlauber bayerischer Herkunft mit einem breiten Grinsen.

     

    Anreise nach Sylt:

    Autofahrer müssen in Niebüll auf dem Festland den Autozug nach Westerland über den Hindenburgdamm nehmen (www.autozug-sylt.de) oder mit der Fähre von Röm in Dänemark übersetzen (www.syltfaehre.de). Sylt hat auch einen Flughafen, der von München, Stuttgart, Nürnberg, Mannheim, Frankfurt, Düsseldorf, Köln und Hamburg aus bedient wird.



     

    Tipp aus der Printausgabe: Juli / August 2017 | Frank Deppe

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