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Zu Gast am Bodensee
Urig eingerichtet: der Gastraum im über 500 Jahre alten Gebäude

Zu Gast am Bodensee

Regionale Zutaten machen die Gerichte im Löwen in Meersburg so lecker

Appetitlich angerichtet: Felchen mit Kartoffeln und Schmorgemüse
© Heinz Heiss
Urig eingerichtet: der Gastraum im über 500 Jahre alten Gebäude
© Heinz Heiss

Meersburg – eine Stadt wie ein Spitzendeckchen. Sauber und hübsch steht sie da am Ufer zwischen Friedrichshafen und Überlingen. Die Silhouette geprägt von der Burg Meersburg mit Zinnen und Türmchen und dem barocken neuen Schloss, das die Konstanzer Fürstbischöfe der Stadt einst spendiert haben. In ihrem Rücken liegen Weinberge mit satten, preisgekrönten Reben, und zu ihren Füßen ergießt sich ein beliebtes Reiseziel – der Bodensee, der sich zwischen Schweiz, Österreich und Deutschland schmiegt. Er ist Wassersportparadies, Trinkwasserreservat und Heimat des bekanntesten Bodensee-Fischs Felchen. „Unseres Felchen“, sagt Carmen Fischer, Küchenchefin und Geschäftsführerin des Hotel-Restaurants Löwen, und zaubert mit Schwung einen dampfenden Teller auf den Tisch: goldene Kartoffeln, ein Ensemble von Zucchini, Auberginen und Karotten, dazu duftendes Fischfilet.

Dem Fellchen ist der Bodensee fast schon zu sauber

„Coregonus wartmanni“ aus der Gattung der Lachsartigen. Blaugrün mit silbernen Seiten in freier Wildbahn, festes, weißes Fleisch auf dem Teller, zartschmelzend am Gaumen, nahezu grätenfrei. Und auf dem besten Weg zur Rarität, denn dem ehemaligen Brotfisch der Bodenseefischerei ist es zu sauber geworden im Schwäbischen Meer, er findet keine Nahrung mehr. Es gab schon Tage ohne auf der Karte, erzählt Carmen Fischer. Das aber, sagt sie, sei noch recht selten. Die Felchen für den Löwen fängt Fischer Mayer, der sich fast jeden Tag mit dem Motorroller samt Kühlbox durch die Gässchen zwischen geranienbepflanzten Fachwerkhäusern schlängelt und seinen Fang verteilt.

Das Hotel Weinstube Löwen steht mittendrin im malerischen Meersburg

Rostrot und stolz am Marktplatz. Mit goldenem Schriftzug an der Fassade, je nach Jahreszeit gut lesbar oder verdeckt durch dicke Trauben Blauregen, der sich im Sommer wie ein flauschiger Pullover um das Gebäude legt. „Wenn ich von jedem Touristen, der mein Restaurant fotografiert, 50 Cent nehmen würde, wäre ich steinreich“, sagt Sigfrid Fischer, Besitzer des Löwen und Vater von Carmen Fischer.

Fischer Senior ist Gastronom aus Leidenschaft

In den 1950er-Jahren bekochte er die Gäste des Stuttgarter Fernsehturms, Mitte der 1960er die Passagiere der Lufthansa, und später pachtete er den Hafenbahnhof in Friedrichshafen, mit der Fähre Schussen dazu. 1986 kaufte er schließlich das über 500 Jahre alte rote Haus im Meersburger Stadtkern. „Ich hatte mich verliebt“, sagt er. In die urige Holztäfelungen der Löwenstube und des Gastraums, den knarzenden Dielenboden, die goldenen Beschläge an den Türen, den Kachelofen mit aufgepinselten Sprüchen auf den Fliesen: „Lache, wenn’s zum Heulen nicht reicht.“

Das Regiment in der Küche des Löwen hat Vater Fischer mittlerweile an seine Tochter Carmen übergeben

Und mit ihr die Leidenschaft für das Experimentelle. Zwar isst man im Löwen vor allem gutbürgerlich. Aber mit internationalen Einsprengseln: immer wieder andere Kräuter, andere Gewürze und Düfte – mal griechisch, mal böhmisch, mal spanisch und am Valentinstag ein Vier-Gänge-Erotik-Menü mit anregendem Ingwer, Sellerie und Herzen auf der Tischdecke. Sigfrid Fischer schmunzelt. Und seine Tochter erzählt, wie sich die Leute zur Menüpremiere die Nasen an den Scheiben plattdrückten.

Die Basis für Fischers Küche bilden Zutaten der Saison

Im Frühjahr gibt es Spargel und Bärlauch, im Sommer Steinpilze und Pfifferlinge, im Herbst Kürbis. Im Winter auch mal Grünkohl mit Pinkel aus Bremerhaven, Extra-Import, weil eben nur die Grützwurst aus dem Norden nach echtem Pinkel schmeckt. Aber der bleibt auch eine Ausnahme auf dem Einkaufszettel der Fischers: Der Fisch kommt aus dem Bodensee, der Schnaps von Thomas Geiger aus dem nahen Riedetsweiler, der Wein zu großen Teilen vom Staatsweingut Meersburg, der Damhirsch aus dem nahe gelegenen Daisendorf, Gemüse und Obst von der Insel Reichenau. Die Fischers können ihre Zutaten das ganze Jahr über wachsen sehen.

„Ich liebe vor allem die Apfelblüte im Frühjahr!“, schwärmt Carmen Fischer. Wenn aus den Blüten Früchte geworden sind, brät sie diese zu duftenden Apfelküchle. Und serviert sie ihren Gästen mit einer Kugel Vanilleeis, Zimt, Zucker und einem Minzblatt. Ganz einfach. Aber herrlich lecker!

Tipp aus der Printausgabe: Februar/März 2015 | Anna Hunger

Zum Nachkochen - Der Chefkoch empfiehlt

Felchenfilet mit Kartoffeln und Schmorgemüse

Felchenfilet mit Kartoffeln und Schmorgemüse – Eine besondere Empfehlung von Küchenchefin und Geschäftsführerin Carmen Fischer aus dem Hotel...

Apfelküchle

Apfelküchle vom Bodensee – Eine besondere Empfehlung von Küchenchefin und Geschäftsführerin Carmen Fischer aus dem Hotel Weinstube Löwen in Meersburg.

Unsere Restauranttipps in der Region

Hotel Café Schreier

Selbst gemachter Kuchen, Eis und Kaffee mit tollem Seepanorama.

Adresse: Färbergasse 2, 88131 Lindau
Telefon: 0 83 82/ 94 44 84
Öffnungszeiten: im Sommer täglich ab 9:00 Uhr

www.schreier-insel.de/
Hotel Restaurant Alte Post

Variationen vom Bodensee-Felchen.

Adresse: Fischergasse 3, 88131 Lindau
Telefon: 0 83 82/ 9 34 60
Öffnungszeiten: täglich 11:00 - 14:30 Uhr, 17:00 - 23:00 Uhr

www.alte-post-lindau.de/
Zum Raichlebeck

Schwäbische Spezialitäten und Lindauer Doppelschübling (Wurst aus Rinds- und Schweinefleisch mit Sauerkraut, Linsen oder Kartoffelsalat).

Adresse: Lingstr. 14, 88131 Lindau
Telefon: 0 83 82/ 2 87 59;
Öffnungszeiten: Mittwoch - Sonntag 12:00 - 14:30 Uhr und ab 18:00 Uhr,
Montag - Dienstag geschlossen

zum-raichlebeck.jimdo.com
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