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Zu Gast in Sylt
Maritimes Flair und regionales Essen in der Seekiste in Westerland

Zu Gast in Sylt

Echt friesisch: In der Seekiste in Westerland gibt es Deichlamm und ganz viel Fisch

Schmeckt nach Meer: Deichlamm, hier ein Stück Rücken mit Rosmarin-Kartoffeln und grünen Bohnen
© Roman Matejov
Maritimes Flair und regionales Essen in der Seekiste in Westerland
© Roman Matejov

Zwei Tage und Nächte hat die Soße geduldig auf dem Herd geköchelt. Dunkel in der Farbe und dickflüssig in der Konsistenz umrahmt sie nun den nordfriesischen Lammrücken. „Mir kommt hier nichts aus der Tüte rein“, sagt Küchenchef Stephan Schäfer bestimmt. „Das schulde ich den Gästen und meiner Liebe zur Arbeit.“ Das Restaurant Seekiste hat seit 1971 seinen angestammten Platz im Herzen Westerlands auf der Insel Sylt.

„Unsere kleine Schatzkiste“, nennt Daniela Adam ihr Restaurant

Ihr Lebensgefährte Stefan Pflug, beide seit Kindesbeinen auf Sylt heimisch, hat das Gasthaus 2014 übernommen. Und der guten Tradition des Hauses fühlt sich das Paar verpflichtet. „Wir möchten den regionalen Charakter erhalten“, sagt Stefan Pflug. Dem verleiht nicht nur die Speisenkarte Ausdruck, sondern auch das Ambiente des gastlichen Hauses. Fliesen in Friesisch-Blau, einige davon bis zu 300 Jahre alt, umrahmen Bilder und kunstvolle Modelle von Schiffen, dort vorne prangt ein Steuerrad, und da hinten blickt eine Galionsfigur auf den üppigen Mahagonitresen.

Eine maritime Note zeichnet auch die Speisenkarte aus

Das pochierte Nordsee-Dorschfilet und die gebratene Nordsee-Seezunge sind nicht nur die Lieblingsgerichte des Hausherrn, sondern gehören zu den Favoriten der Gäste. Auch das Matjesfilet auf Friesenbrot, die Krabbenschaumsuppe und die Sylter Miesmuscheln stehen hoch im Kurs. Andere Delikatessen aus dem Meer finden sich immer wieder auf der Tageskarte – wenn etwa einem Fischer eine schmackhafte Meeräsche ins Netz gegangen ist.

Manchmal schnappt sich der Chef auch selbst die Angel und fährt mit dem Boot auf die Nordsee hinaus

Wenn er erfolgreich war, gibt es in der Seekiste tags darauf Makrelen oder Forellen. Frischer Fisch hat an der Küste heute wie früher einen besonderen Stellenwert. Die Menschen auf den nordfriesischen Inseln leben seit jeher nicht nur am, sondern auch vom Meer. Beim traditionellen Buttpetten etwa wartete man darauf, dass die Ebbe flache Tümpel und Priele freilegte. Behutsam setzte man einen Fuß vor den anderen, bis es plötzlich unter der Fußsohle zappelte (petten) und man mit geschicktem Griff einen Butt oder anderen Plattfisch aus dem Wasser befördern konnte.

Die alten Friesen konnten von Deichlamm nur träumen

Neben Fisch gibt die Region im hohen Norden manch andere Spezialität her, die sich ebenfalls auf der Speisenkarte der Seekiste wiederfindet: saftiges Filet vom Husumer Weiderind, den Sylter Ziegenkäse oder als Dessert die traditionelle Sylter Rote Grütze, hausgemacht natürlich, mit frischen Beeren und Vanillesoße. „Wir möchten unseren Gästen Authentisches bieten. Unsere Küche ist bodenständig, ehrlich und regional“, so Pflug. Das wissen die Gäste offensichtlich zu schätzen – wer in der Saison nicht rechtzeitig einen der 40 Sitzplätze reserviert, muss an einem anderen Tag wiederkommen.

So delikat wie in der Seekiste schlemmen – davon hätten die alten Friesen nur träumen können

Denn was in früheren Zeiten auf den nordfriesischen Inseln verzehrt wurde, wäre für uns heutzutage äußerst gewöhnungsbedürftig. Aus dem Meerstrand-Wegerich zum Beispiel bereitete man Kohl zu. Ein Fremder monierte bei seiner Rückkehr von Sylt: „Da war ich auf einem wunderlichen Lande, woselbst ich Gras fressen musste, und wäre ich zum Winter geblieben, so hätte man mir wohl Heu gegeben.“ Frisches Fleisch war noch um 1800 die absolute Ausnahme und kam nur nach einer Schlachtung auf den Tisch. Ebenso selten gab es Brot. Ein Sylter schrieb im 18. Jahrhundert: „Der beständige Mangel an Getreide ging so weit, dass man das Brot beinahe vergötterte ...“ Meerstrand-Wegerich kommt heute nicht mehr auf den Tisch. Dafür andere Spezialitäten mit Tradition. Wie Grünkohl – diese würzige Kohlart, die nach dem ersten Frost geerntet und mit Kartoffeln, Kochwurst, Kasseler und Schweinerippchen aufgetischt wird. Oder Salzwiesen- und Deichlamm. Da das Gras dank des Meerwassers salz- und jodhaltig ist, finden die Tiere stets eine würzige Nahrung, die ihr Fleisch aromatisch und zart macht.

Außerdem befindet sich vor Sylt Deutschlands einzige Austernzucht

Im 11. Jahrhundert ließ der dänische König Knut der Große vor Nordfrieslands Küste Austernbänke ansiedeln. Heute werden vor der Insel jährlich eine Million Schalentiere geerntet und unter anderem bundesweit an die Spitzengastronomie ausgeliefert. Und manchmal geht die Reise der Delikatesse aus Sylt sogar noch ein gutes Stück weiter: Betuchte Kunden haben sich die Austern auch schon mal in die Karibik oder nach Hongkong einfliegen lassen.

Tipp aus der Printausgabe: Dezember 2014 | Frank Deppe

Unsere Restauranttipps in der Region

Haus Hamburg

Fangfrischer Fisch in allerlei Variationen.

Adresse: Rathausstr. 3 – 5, 26789 Leer
Telefon:
04 91/48 84
Öffnungszeiten:
Montag - Sonntag 12:00 - 14:00 Uhr und 18:00 - 21:00 Uhr,
Mittwoch geschlossen

haus-hamburg-leer.de
Ostfriesische Teestube am Hafen

Original Ostfriesische Teezeremonie.

Adresse: Rathausstr. 4a, 26789 Leer
Telefon: 04 91/4 54 13 58
Öffnungszeiten: Montag - Freitag 09:00 - 13:00 Uhr und 14:00 - 17:00 Uhr

www.germania-schifffahrt.de
Restaurant Zur Waage und Börse

Regionale Gerichte, modern interpretiert, Mit schönem Blick auf den Hafen.

Adresse: Neue Str. 1, 26789 Leer
Telefon: 04 91 / 6 22 44
Öffnungszeiten: Montag - Sonntag 12:00 - 14:30 Uhr und 18:00 - 23:00 Uhr,
Dienstag geschlossen

www.restaurant-zur-waage.de
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