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Radeln im Tal der romantischen Donau
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Das eindrucksvolle Schloss von Sigmaringen ist ein Höhepunkt am Donauradweg.
  • Radeln im Tal der romantischen Donau

    Auf einer Streuobstwiese unter einer alten Ritterburg summen Bienen. Sie fliegen von Apfelbaum zu Apfelbaum, singen ein leises Lied vom Frühling. Die junge Donau spielt dazu ihre Begleitmelodie. Noch klein und bescheiden ist sie in diesem Tal, ein größerer Bach, dessen Wasser glucksend über eine Staustufe hüpft. Überall zwitschert es, blühen Heide­röschen, Küchenschelle und Maiglöckchen. Die ersten Rinder trotten aus dem Stall heraus und schnuppern den Duft des feuchten frischen Grases am Ufer.

    Der Rastplatz am Jägerhaus bei Fridingen ist eine der schönsten Stellen auf dem baden-württembergischen Donauradweg: ein alter Gasthof mit Stallungen, einsam gelegen zwischen steilen Kalkfelsen, die von Bäumen und Burgen bekrönt sind. Mittendrin fließt die Donau, tiefblau und völlig ungestört. Der Abschnitt zwischen Beuron und Fridingen ist der einzige ohne Autostraße und Kanutourismus. Eine Insel der Natur, in der sich der Fluss in unzähligen Schleifen durchs Tal windet, ein Paradies für Radfahrer, die hier die Landschaft ganz für sich haben.

    Der ADFC adelt den deutschen Donauradweg mit vier Sternen

    „Lass uns ein wenig bleiben“, sagt ein Mann zu seiner Frau. Unzählige Radler auf dem Donauradweg machen hier Pause, hängen die Füße ins Wasser und lauschen andächtig dem Plätschern des Flusses auf seinem Weg durchs Bachbett. Spaziergänger passieren eine Holzbrücke, gehen vom aussichtsreichen Knopfmacherfelsen zum Schloss Bronnen. Im Jägerhaus kehren sie ein, bestellen Bier, Limonade, Würstchen oder Wildgerichte.

    Mehr als 2800 Kilometer lang ist die Donau, der zweitgrößte Fluss Europas. Auf ihrer Reise zum Schwarzen Meer passiert sie zehn Länder. Den Anfang macht Deutschland, dessen Süden sie auf einer Strecke von gut 600 Kilometern durchquert: 200 in Baden-Württemberg, 400 in Bayern. Erst vor Kurzem wurde der Radweg entlang der deutschen Donau vom ADFC mit vier Sternen für seine Qualität und gute Beschilderung ausgezeichnet. Die Donau ist eines der wenigen Gewässer, dessen Kilometer zur Quelle statt zur Mündung hin gerechnet werden. Wer die Tour gegen den Strom macht, zählt die Kilometer also aufsteigend. So gesehen ist Ulm der erste baden-württembergische Donauort. Sein Münster überragt alle Kirchtürme der Erde: 161,53 Meter, das ist Weltrekord.

    Lohnenswerter Abstecher ins Blautal zum Blautopf

    Bei Flusskilometer 2585 stößt die Blau auf die Donau. Ihr malerisches Tal, das einst die Ur-Donau ausgewaschen hat, lohnt einen Radlabstecher nach Westen. In seinem Untergrund sprudeln Karstquellen. Die bekannteste ist der Blautopf in Blaubeuren: ein geheimnisvoller türkisfarbener Trichter, der schon früh die Fantasie der Dichter beflügelte. Besucher lassen sich bis heute von seinem Farbenspiel und den Spiegelungen auf der Wasseroberfläche verzaubern. Am Ufer des Blautopfs steht eine historische Hammerschmiede. Innen dröhnt und klopft es wie in alten Zeiten. „Faszinierend“, sagt ein sportlich gekleideter älterer Herr, der sich an seine Kindheit erinnert fühlt. Neben der Schmide steht das Denkmal der Schönen Lau, der Sage nach eine Nixe, die in den Blautopf verbannt wurde, weil sie ihrem Gatten keinen Nachwuchs schenken konnte.

    Nach den rund 40 Kilometern Umweg geht es für die Radfahrer an der Donau weiter. Sie passieren die Bierkulturstadt Ehingen und lauschen dem vielstimmigen Klang der Glocken von Ober­marchtal, die in den Türmen der barocken Klosterkirche schlagen. Immer wieder taucht eine Kapelle am Wegesrand auf. Und immer öfter sieht man große Vögel, die ihre Flügel über dem Donautal ausbreiten: Störche! Besonders wohl fühlen sie sich in Riedlingen. Vom Donau-Ufer aus kann man beobachten, wie sie die Schnäbel ihres hungrigen Nachwuchses in den Nestern über den Dächern der Kleinstadt stopfen.

    In Sigmaringen beginnt der vielleicht schönste Abschnitt des baden-württembergischen Donauradwegs. Nirgendwo gibt es so viele Burgen und Schlösser wie auf den letzten 100 Flusskilometern bis zum Ursprung in Donaueschingen. Das Glanzstück steht gleich am Anfang der Etappe: Hoch über der Donau thront Schloss Sigmaringen auf einem Felsplateau. Den besten Blick auf die einstige Fürstenresidenz hat man von der gegenüberliegenden Flussseite. Pärchen treffen sich hier, Spaziergänger, rastende Radfahrer und Fotografen, die die Zinnen und Türmchen mit ihrer Kamera einfangen. Die hängenden Äste der Uferbäume rahmen dieses Bild, das wie gemalt wirkt.

    Kanuvergnügen zwischen Sigmaringen und Beuron

    Mit jedem Kilometer südwestwärts wird die Donau ein wenig schlanker. Gleicht immer mehr einem lauschigen Bach als einem großen Strom. Schleife um Schleife windet sie sich durchs Tal, zwängt sich zwischen steilen Felswänden hindurch. Bis 300 Meter sind sie hoch, eine Attraktion für Kletterer, die dort wie bunte Punkte an den Wänden kleben. Bei den bunten Tupfen im Wasser handelt es sich um Kanufahrer. Von Sigmaringen bis Beuron dürfen sie sich auf der Donau vergnügen, danach hat der Naturschutz Vorrang. Der Europäische Flusskrebs streckt hier wieder seine Fühler aus, Biber nagen emsig an Uferbäumen, moosbewachsene Äste von Erlen und Eschen hängen über dem Flussbett – windschiefe Schattenspender für Tiere und müde Radler.

    In der Erzabtei Beuron kann man übernachten

    In Beuron gibt es ein Naturschutzzen­trum und eine der letzten, noch aktiven Abteien des Landes. Etwas knurrig streckt der alte Pförtner sein Gesicht durch die Scheibe: „Was gibt’s?“, fragt er, einer von 40 Mönchen, die noch im Kloster leben. In breitem Schwäbisch erklärt er, man könne nicht in der Klausur, aber im Gästehaus nächtigen.

    Hier in Beuron endet das besiedelte Tal. Nun folgen jene zehn Kilometer bis Fridingen, in denen Jägerhaus und Ziegelhütte die einzigen Gebäude auf weiter Flur sind. Der Radweg verläuft fast immer am Fluss entlang. Mal topfeben, dann wieder bergauf, abwechselnd auf Schotter und asphaltiertem Untergrund.

    Alte Gasthäuser und Biergärten säumen die Strecke

    Sie servieren wie das Scharfeck in Fridingen deftige schwäbische Küche und Donauwellen aus der Kuchentheke. Viele Radfahrer leihen sich inzwischen ein Elektrorad aus. An schönen Wochenenden bringt sie der Naturparkexpresszug im Oberen Donautal sogar wieder zum Ausgangspunkt ihrer Tour zurück. Wer weiter nach Westen fährt, erlebt bei Möhringen sein zweites blaues Wunder: Plötzlich ist die Donau verschwunden. Fußgänger spazieren durch ihr ausgetrocknetes Bett.

    An einer Flusskehre kurz vor Immendingen wird das Phänomen der Donauversinkung erklärt. Der Fluss taucht ab, versickert an fast 200 Tagen im Jahr im unterirdischen Höhlensystem der Alb. Das wäre nicht weiter schlimm, wenn alles Wasser an einer anderen Stelle des Flusslaufes wieder hervorkäme. Doch was unterirdisch abfließt, wandert weitgehend in Richtung Rhein und Bodensee ab. Die um ihr Wasser betrogene Donau muss sich aus neuen Quellen und Zuflüssen speisen.

    Die Donau entsteht aus der Vermählung zweier Flüsse

    Dies wirft die Frage nach dem Donau-Ursprung auf. Seit Jahrzehnten streiten sich Furtwangen und Donaueschingen um die einzig wahre Donauquelle. In Furtwangen entspringt die Breg, der größere der beiden Zubringerflüsse, im fürstlichen Park von Donau­eschingen sprudelt eine Quelle, die seit römischen Zeiten die Brig­ach speist. Im 18. Jahrhundert wurde sie eingefasst wie ein königlicher Springbrunnen, in dessen Wassern sich ein gelber Kirchturm spiegelt. Über den blubbernden Blasen erhebt sich eine Skulptur der jungen Donau, die von hier aus angeblich ihre Reise zum Schwarzen Meer antritt.

    Bis vor den Landtag und vors Stock­acher Narrengericht hat es die Posse um die Donauquelle schon gebracht. „Der Streit ist doch das Schönste daran“, sagen drei ältere Damen amüsiert, die im Park von Donaueschingen spazieren gehen. Fest steht letztlich: Erst „Brig­ach und Breg bringen die Donau zu Weg“. So lautet der bis heute gültige Merksatz.

    Es gibt daher keinen besseren Ort als die lauschige Landzunge an deren Zusammenfluss, um die Radtour ausklingen zu lassen und der Vermählung der beiden Quellflüsse beizuwohnen. Am Rande von Donaueschingen gehen sie ihre lang anhaltende Verbindung ein und teilen sich wie ein Ehepaar für die nächsten 2800 Kilometer das Flussbett.

     

    Tipp aus der Printausgabe: Mai/Juni 2017 | Andreas Steidel

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